Donnerstag, 20. April 2017

In großen Höhen noch guter Pulverschnee – Vorsicht vor kammnahem Triebschnee – zunehmend wieder Frühjahrsverhältnisse

Die Prognosen der ZAMG-Wetterdienststelle haben perfekt gepasst. In weiten Teilen Nordtirols sowie im nördlichen Osttirol ist einiges an Schnee zusammengekommen.


Spitzenreiter waren die Arlbergregion, das Außerfern sowie die Nordalpen.

Station Ulmerhütte im Arlberggebiet zählte zu einer der schneereichsten Stationen. Man erkennt zudem die winterlichen Temperaturen sowie den Windeinfluss während des Schneefalls mit abnehmender Tendenz

Trotz der zum Teil tiefwinterlichen Temperaturen merkt man das Frühjahr. Durch die Strahlung konnte sich der kürzlich gebildete Triebschnee meist bereits recht gut verbinden. Vorsicht ist noch in größeren Höhen im kammnahen, sehr steilen Gelände geboten. Der für morgen, den 21.04. prognostizierten Temperaturanstieg kann kurzfristig zu einer erhöhten Auslösewahrscheinlichkeit von Triebschneepaketen führen, dies vermutlich nur über 3000m.

Ansonsten findet man in großen Höhen noch tollen Pulverschnee.

Unterwegs im Skitourengebiet der Franz-Senn-Hütte. Traumhafter Pulverschnee. (Foto: 20.04.2017)

Kammnaher Triebschnee (Foto: 20.04.2017)

Wohl vermehrt ein Thema während der kommenden Tage. Feuchte bzw. nasse Lockerschneelawinen

In den schneereichen Gebieten kurzfristig ein Thema auf vormals bereits aperen Wiesenhängen: Gleitschneerutsche bzw. kleine Gleitschneelawinen (Foto: 20.04.2017)

Einer der derzeit schneeärmsten Regionen in Tirol ist das südliche Osttirol (Foto: 20.04.2017)

Sonntag, 16. April 2017

Auf den Bergen wird es während der kommenden Tage tiefwinterlich – Anstieg der Lawinengefahr beachten!

Aus ist es vorerst mit den günstigen Lawinenverhältnissen. Es wird winterlich! Bis inklusive Donnerstag, dem 20.04. wird in Nordtirol und den Osttiroler Tauern bei starkem Wind und kalten Temperaturen (auf 3000m bis -20 Grad!) einiges an Schnee zusammenkommen. Die aufsummierten Neuschneemengen können dabei im Norden, den Zillertaler Alpen und den Osttiroler Tauern zwischen 80-120cm, verbreitet zwischen 50-80cm, in den südlichen Ötztaler Alpen eher weniger, im übrigen Osttirol 10-20cm betragen.
 
Klar, dass sich das auf die Lawinengefahr auswirken muss, die nun von Tag zu Tag etwas ansteigen wird.
 
Die Hauptgefahr geht dabei von frischem Triebschnee aus. Betrachtet man die Beschaffenheit der Altschneeoberfläche, so wird als Schwachschicht für Schneebrettlawinen v.a. lockerer Neuschnee in Frage kommen, der sich im Laufe der kommenden Tage ablagern wird und von Triebschnee überlagert wird. Auch frische Graupeleinlagerungen innerhalb des Neuschneepakets sind vorstellbar.
 
Ein Durchbrechen in bodennahe Schwachschichten ist aufgrund der zu erwartenden großen Zusatzbelastung prinzipiell möglich, jedoch wohl eher selten. Am ehesten könnte davon schattiges, sehr steiles Gelände in den Zillertaler Alpen oberhalb etwa 2500m betroffen sein.
 
Zu bedenken ist immer, dass trotz des Temperatursturzes während kurzfristiger Niederschlagspausen wegen der (diffusen) Strahlung der Neuschnee rasch geschwächt werden kann. Dort, wo Wind im Spiel war, erhöht dies die Auslösewahrscheinlichkeit von Schneebrettlawinen. Ansonsten sind zahlreiche Lockerschneelawinen  (auch etwas größerer Dimension) zu erwarten.
 
Niederschlag während der vergangenen 24 Stunden: Stand: 16.04.2017: 07:00 Uhr. Spitzenreiter bisher die Station Vilsalpsee im Außerfern. Quelle: Hydro Online
 
Beginnender Niederschlag am Galzig im Arlberggebiet. Die Temperatur beginnt zu sinken, der Wind weht stark.
 
Die Altschneeoberfläche kommt derzeit wohl eher nicht als Schwachschicht für Schneebrettlawinen in Frage. (Foto: 14.04.2017). Entweder ist diese hart, brüchig (mit ausreichend verbundenen Graupeleinlagerungen) oder…
 
…pulvrig, jedoch nicht locker genug, damit sich Brüche über größere Flächen fortpflanzen könnten. Karwendel (Foto: 14.04.2017)
 
Schneeprofil von den Tuxer Alpen (2705m, NW). Brüche in oberflächennahen Schichten pflanzten sich nicht mehr fort. Ein Bruch in der bodennahen Schwachschicht konnte erst durch große Belastung provoziert werden, pflanzte sich in Folge jedoch fort.
 

Dienstag, 11. April 2017

Eindrücke der vergangenen Tage

Zwischen dem 7.04. und 9.04. herrschten günstige Bedingungen bei einem, der Jahreszeit entsprechenden, tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr.

„Schmierpulver“ in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 08.04.2017)

Auffallend bleibt v.a. die für die Jahreszeit in ganz Tirol unterdurchschnittliche Schneehöhe auf den Bergen. Im Verhältnis am meisten Schnee liegt in Bereichen der Osttiroler Tauern sowie der Silvretta.

Zu Fuß erreichbar: Der Brechten in den Nördlichen Stubaier Alpen. Trotz wenig Schnees Gefahr durch Wechten (sh. Hintergrund) (Foto: 08.04.2017)

Unterwegs in den Südlichen Ötztaler Alpen (Hauslabkogel) (Foto: 08.04.2017)

Blick vom Figerhorn in den Osttiroler Tauern Richtung Süden. (Foto: 08.04.2017)

Zurzeit gibt es wenige Meldungen über Lawinenereignisse, insbesondere über Brüche im Altschnee (Die letzte diesbezügliche Info ging am 31.03. ein: Unterhalb der Mutterbergerseespitze am Bockkogelferner löste sich ein großes Schneebrett auf einer bodennahen Schwachschicht).

Derzeit lassen sich diese bodennahen Schwachschichten dann am ehesten stören, wenn diese erstmalig durchnässt und dadurch störanfälliger werden. Dies trifft gerade am ehesten in West- und Osthängen um 2700m und in Schattenhängen zwischen etwa 2200m und 2400m zu.

Wichtig erscheint im Frühjahr der meist unmittelbare Anstieg der Lawinentätigkeit nach Neuschneefällen. Häufig mischt sich während dieser Jahreszeit Graupel ein, der mitunter als Schwachschicht für Schneebrettlawinen dienen kann. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Graupelschicht dicker ausfällt (was u.a. in steilen von Felsen begrenzten Rinnen vermehrt zu beobachten ist).

Graupel wurde kürzlich in weiten Teilen Tirols beobachtet, hier in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 08.04.2017)

Graupel entsteht vermehrt in Schauerzellen, wie hier am 10.04. im hinteren Ötztalt

Graupeleinlagerungen in oberflächennahen Schichten

Kammnahes Schneebrett nach Schneefall und Windeinfluss (aus Norden). Graupel könnte die Schwachschicht gebildet haben; 06./07.04.2017

Lawinenabgang mit Personenbeteiligung an der Vorderen Hintereisspitze. Auch hier könnte Graupel im Spiel gewesen sein. (Foto: 08.04.2017)

Freitag, 7. April 2017

Die Lawinengefahr wird weiterhin v.a. durch die Durchfeuchtung bestimmt

Am Wochenende 08.04. auf den 09.04. wird es laut ZAMG-Wetterdienststelle sonnig bei steigenden Temperaturen. Der derzeit noch kräftigere Tauernwind soll sich deutlich abschwächen.

Von Interesse für die Lawinengefahr bleibt unverändert die Durchfeuchtung der Schneedecke. Hilfreich für die Risikominimierung erscheint eine vernünftige Zeiteinteilung – sprich früher Start und rechtzeitige Rückkehr zur Hütte oder ins Tal. Wichtig ist immer auch die Ausstrahlung während der Nachtstunden. Je klarer der Himmel, je kühler die Luftmasse, je trockener die Luft, desto massiver ist der Harschdeckel, desto günstiger sind die Verhältnisse am Morgen.
Ein Blick auf einige Schneeprofile der vergangenen Zeit zeigt, dass diese in besonnten Hängen schon bis in hochalpine Regionen weitreichend durchfeuchtet sind. Schattseitig reicht die tiefergehende Durchfeuchtung unserem Informationsstand derzeit bis knapp 2300m hinauf.

Isotherme Schneedecke (sprich: überall 0 Grad) auf 2070m NW-seitig

Isotherme Schneedecke auf 3156m SO-seitig im 44° steilen Gelände

Geringe Temperaturreserven N-seitig auf 2320m

Rechtzeitig zu Monatsbeginn dominierte häufig Aprilwetter: Schneefall, Sonne und Wolken über Hochimst (Foto: 04.04.2017)

Wechselhaftes Wetter mit etwas Neuschnee auf den Bergen.

Bis 10cm Neuschnee in den Tuxer Alpen. Ausgesprochen schneearm in besonnten Hängen tiefer und mittlerer Höhenlagen (Foto: 05.04.2017)

Blick Richtung Granatenkogel in den Südlichen Ötztaler Alpen. Es beginnt aufzuklaren (Foto: 07.04.2017)

Unterwegs in den Osttiroler Tauern. In großen Höhen gibt es derzeit wenige Gefahrenstellen. Dennoch, unter ungünstigen Voraussetzungen lassen sich bodennahe Schwachschichten noch ansprechen, einerseits in besonnten Hängen bei massiver Durchfeuchtung, andererseits aber auch im schattigen, sehr steilen Gelände, meist wohl an schneearmen Stellen bei großer Belastung. (Foto: 01.04.2017)

Ein heuer eher gewohntes Bild bei Hüttenzustiegen: Skitragen… Südliche Ötztaler Alpen (Foto: 31.03.2017)

Freitag, 31. März 2017

Zunehmende Aktivität von Nassschneelawinen!

Der heutige Freitag, der 31.03. wird der bisher wärmste Tag des Jahres werden. Dies wirkt sich in Zusammenhang mit der für die Jahreszeit intensiven Strahlung und der ab nun wieder zunehmenden Luftfeuchtigkeit auf die Lawinengefahr aus!

Wir rechnen ab heute, dem 31.03. wieder mit erhöhter (spontaner) Lawinenaktivität.
Vorsicht ist dabei ganz speziell in besonnten Steilhängen in einem Höhenbereich zwischen etwa 2300m und 2900m angebracht. Der sich über Nacht gebildete Harschdeckel wird nun von Tag zu Tag dünner, während die darunter befindlichen Schneeschichten bereits durchgehend feucht bzw. zum Teil durchnässt sind. Der in Bodennähe vorhandene Schwimmschnee wird durch den Nässeeintrag massiv geschwächt und somit als Schwachschicht wieder aktiviert.

Zu beachten ist unbedingt, dass ein tragfähiger Harschdeckel aufgrund dessen geringerer Dicke (trotz Tragfähigkeit) nicht zwingend eine stabile Schneedecke bedeuten muss. Dies wurde u.a. gestern bei zwei uns bekannten Lawinenereignissen, die zum Glück gut ausgegangen sind, wieder augenscheinlich.

Lawinenauslösung in einem O-Hang auf ca. 2500m südlich des Gaislachkogels um 10:30 Uhr. Man erkennt am Bild die Skispuren auf einem noch tragfähigen Harschdeckel. Dennoch konnte die Lawine ausgelöst werden. (Foto: 30.03.2017)

Lawinenauslösung im Wildlahnertal (Zillertaler Alpen) in einem Westhang auf ca. 2700m um 13:20 Uhr. Beim Kreis erkennt man eine Skitourengruppe, die bei der Abfahrt die Lawine (durch Fernauslösung) auslöste. Ähnliche Situation wie am oberen Bild: Harschdeckel war noch tragfähig. (Foto: 30.03.2017)

Durch den Impuls eines kleinen Rutsches entwickelte sich im besonnten, sehr steilen Gelände auf ca. 2500m im Dorfertal (Osttiroler Tauern) ein stattliches Schneebrett. Während der kommenden Tage werden spontane Lawinen häufiger! (Foto: 30.03.2017)

Gleitschneelawinen sind im heurigen Winter auch aufgrund der geringen Schneemächtigkeit selten. Hier am Bild gleitet Schnee auf glattem Felsen ab. Venedigergruppe (Foto: 30.03.2017)

Neben den besonnten Hängen kann auch in Schattenhängen die bodennahe Schwachschicht vom Frühwinter durch Nässeeintrag wieder störanfälliger werden, dies trifft derzeit v.a. für Höhenlagen zwischen etwa 2200m und 2400m mit steigender Tendenz ab Sonntag, dem 02.04. zu.

Am Wochenende wird die Luft nun immer feuchter, die Schaueranfälligkeit zumindest am Sonntag, dem 02.04. relativ hoch. Erfahrung in der Lawinenbeurteilung, eine gute Zeiteinteilung und gute Tourenplanung erscheinen deshalb besonders wichtig! Je höher und früher man unterwegs ist, desto besser!

Hochgelegene Hütten bieten im Verhältnis die besten Voraussetzungen für Touren während der kommenden Tage. Dennoch: Hüttenzustiege können durch Lawinen gefährdet sein.

Weitere Impressionen zur aktuellen Situation:

Die Ausaperung schreitet weiter voran. (Foto: 30.03.2017)

Der überdurchschnittlich warme März hat auch den Skipisten arg zugesetzt. Kitzbüheler Alpen (Foto: 30.03.2017)

Frühling im Tal, für die Jahreszeit unterdurchschnittliche Schneehöhe am Berg. Wilder Kaiser (Foto: 30.03.2017)

Firngenuss bei rechtzeitiger Abfahrt. Venedigergruppe, Osttiroler Tauern (Foto: 30.03.2017)

Seracbruch führte zu Lawinenabgang am Gletscher, Venedigergruppe (Foto: 30.03.2017)

Auch immer daran denken: Mögliche Gefahr durch Wechten auf Graten, Silvretta