Dienstag, 19. Mai 2015

Kurzfristige Gefahr von Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen sowie von feuchten Lockerschneelawinen aus felsdurchsetztem Gelände

Die ZAMG-Wetterdienststelle sagt für die kommenden Tage beachtliche Regen- bzw. Neuschneemengen voraus. Der Schwerpunkt der Niederschläge liegt laut ZAMG „in den Stau- und Aufgleitregionen vom Alpenhauptkamm (Ötztaler bis Zillertaler Alpen) nach Norden hin in Richtung Inntal“. Es ist von Regenmengen zwischen 50 und 70mm, lokal bis zu 90mm bis einschließlich Donnerstag, dem 21.05.2015 vormittags die Rede. Die Schneefallgrenze soll dabei in der Nacht auf Mittwoch, dem 20.05. teilweise bis auf 1000m sinken. Entsprechend erwarten wir in größeren Höhen für diese Jahreszeit beachtliche Neuschneemengen von lokal nahe an die 1m-Marke.

 

Dies wird sich entsprechend auf die Lawinengefahr auswirken. Die Hauptgefahr geht dabei von Gleitschneelawinen auf bereits ausgeaperten, steilen Wiesenhängen aus. Gefährdet sind somit insbesondere auch Wander- oder Mountainbike-Routen unterhalb steiler Wiesenhänge. Nach dem Ende der Niederschläge sind zudem aus extrem steilem Gelände - sonnseitig häufiger als schattseitig - Lockerschneelawinen zu erwarten. Hochalpin sind mitunter in windabgewandten, kammnahen, sehr steilen Hängen kleine, frische Triebschneepakete zu beachten, die innerhalb des Neuschnees durch Wintersportler gestört werden können. Zusätzlich können hochalpin, also oberhalb etwa 3000m, in den besonders neuschneereichen Gebieten im sehr steilen schattigen Gelände vereinzelt Schneebrettlawinen, die auch in tieferen Schichten brechen, nicht ganz ausgeschlossen werden.

Dienstag, 12. Mai 2015

Der letzte große Lawinenzyklus der Saison liegt hinter uns. Einzelne Problembereiche noch in hochalpinen Regionen, also oberhalb etwa 3000m sowie kurzfristig nach intensiven Neuschneefällen auch darunter.

Die Periode vom 01.05. bis zum außergewöhnlich warmen 05.05. hatte es lawinenmäßig in sich. Zahlreiche spontane Lawinenabgänge, vermehrt aus schattigem, sehr steilem Gelände wurden in ganz Tirol registriert. Es war Glück im Spiel, dass am Ende der Saison nicht noch ein Unglück passierte.

 

Eine Schneebrettlawine löste sich am 05.05. spontan auf der Nordseite des Vorderen Plattenkogels auf ca. 2700m. Dabei wurde sowohl der Bach aufgestaut, als auch der Weg ins Innergschlöss auf 80-100m bis zu 5m hoch verschüttet. Kurz zuvor passierte übrigens eine Gruppe diesen Bereich…, Osttiroler Tauern (Foto: 10.05.2015)

 

Bereits von uns und einem unserer Beobachter erwartet, am 05.05. abgegangen: spontane Schneebrettlawine in den Kalkkögeln, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 07.05.2015)

 

Kurzfristig nicht nur ungünstige Lawinensituation, sondern auch schlechte Schneequalität. Die nahe gelegene Piste am Wurmkogel in den Südlichen Ötztaler Alpen machte diese Tour möglich. (Foto: 05.05.2015)

 

Ein primär kleineres Schneebrett löste ein größeres Schneebrett nahe des Zwieselbacher Rosskogels in den Nördlichen Stubaier Alpen aus (Foto: 03.05.2015)

 

Inzwischen hat sich die Schneedecke deutlich zurückgezogen. Der noch verbliebene Schnee wandelte sich zusehends bis in große Höhen in trägen „Sommerschnee“ um. Einzig hochalpin gibt es vereinzelt v.a. schattseitig noch Potential für weitere Schneebrettlawinen, dies v.a. bei massiver Durchnässung der Schneedecke. Mit dem vorhergesagten, eher labilen und schwülen Wetter bis einschließlich Donnerstag, den 14.05. ist in hochalpinen Bereichen v.a. dort aufzupassen, wo es aufgrund von Gewittern in die Schneedecke reinregnet.

 

Ab kommenden Freitag, den 15.05 bringt eine Kaltfront dann einen deutlichen Temperaturrückgang, danach soll es unbeständig und kühl weitergehen. Das Hauptproblem werden nach den vorhergesagten Schneefällen v.a. nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände bilden. Auf steilen Wiesenhängen ist in neuschneereicheren Gebieten mitunter auf kleine Gleitschneelawinen zu achten.

 

Wetterprognose: Gut zu erkennen: Temperatursturz am Freitag und die folgende unbeständige Wetterperiode. (http://www.wetterzentrale.de/topkarten/fsavnmgeur.html)

 

Dennoch: Der Frühling ist auch in höheren Lagen massiv im Vormarsch. Lawinen ziehen sich somit in immer höhere Bereiche zurück: Eine ideale Zeit für kombinierte Fahrrad-Skitouren …

 

Frühling im Tuxertal (Foto: http://foto-webcam.eu)

 

Frühling im Wetterstein  (Foto: http://foto-webcam.eu)

 

Montag, 4. Mai 2015

Zunehmende Durchnässung führt zu vermehrten spontanen, auch großen Lawinenabgängen!

Der derzeitige Wetter-Cocktail wirkt sich ungünstig auf die Lawinensituation aus. Während der vergangenen Tage war es warm, trüb, regnerisch bei einer Regenobergrenze gestern am 03.05. von teilweise über 3000m.

 

Die Schneedecke wurde dadurch auch in großen Höhen auch in tieferen Schichten immer feuchter. Ältere, bodennahe Schwachschichten vom Frühwinter, die sich ab Mitte Februar ausreichend stabilisiert hatten, werden dadurch wieder störanfälliger.

 

Wie vorhergesagt, verschieben sich Gefahrenbereiche für Schneebrettlawinen in höhere Bereiche. Schattseitig konnten während der vergangenen Tage vermehrt spontane Schneebrettlawinen im sehr steilen  Gelände in einem Höhenbereich zwischen etwa 2200m und 2600m beobachtet werden. In O- und W-exponierten Hängen sind uns spontane Lawinenabgänge in Höhenbereichen um 2500m und darüber gemeldet worden. Südseitig gingen keine Meldungen ein. Die Problembereiche dürften hier noch etwas höher gelegen sein. Lawinen können durchaus groß werden.

 

Lawinenabgänge der vergangenen Tage im schattigen, sehr steilen Gelände. Hier am Beispiel der Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 03.02.2015). Die hell-rosarote Lawine rechts im Bild ging am 03.05. ab, die rote am 02.05., die dunkel-violette vermutlich am 01.05.2015 Lawinensituation.

 

Die oben eingezeichnete, rote Lawine während des Abgangs (Foto: 02.05.2015)

 

 

Nasse Schneedecke, steigende Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit: Schlechte Vorzeichen für die Lawinensituation.

Mit den sommerlichen Temperaturen und der fehlenden Ausstrahlung rechnen wir auch morgen am 05.05.2015 mit spontanen Lawinen, die wieder groß werden können.

 

Sonntag, 26. April 2015

Gefahrenbereiche verlagern sich zusehends in größere Höhen

Im gestrigen Blog vom 25.04. haben wir erwähnt, dass kleine Änderungen im Wettergeschehen große Auswirkungen auf die Lawinengefahr im Frühjahr haben können. Da wir gestern ein etwas anderes Bild des Wettergeschehens und der Schneedeckenentwicklung für heute im Kopf hatten, hier eine kurze Aktualisierung.

 

Konkret geht es darum, dass gestern während des Tages – wie vorhergesagt – Wolken aufgezogen sind. Allerdings war die Abschattung der Sonne durch die Wolken weniger ausgeprägt und somit die diffuse Strahlung mitunter kräftiger als angenommen. Anhand der Wetterstationen sah man heute am 26.04. in der Früh häufig Schneeoberflächentemperaturen um 0 Grad.

 

Wie im heutigen Lawinenlagebericht beschrieben, findet man Gefahrenstellen derzeit am ehesten im sehr steilen schattigen Gelände zwischen etwa 2100m und 2400m sowie in sehr steilen besonnten Hängen zwischen etwa 2300m und 2600m, im extrem steilen besonnten Gelände am Nachmittag vereinzelt auch darüber.

 

Schattseitiges Gelände wird durch die zunehmende Durchfeuchtung der Schneedecke wieder störanfälliger. Derzeit betrifft dies ein Höhenband zwischen etwa 2100m und 2400m. Die vorhergesagte Kaltfront vom 27.04. auf den 28.04. wird kurzfristig zu einer leichten Besserung führen, bis die Schneedecke neuerlich feuchter wird… Kalkkögel, Nördliche Stubaier Alpen, Nachtrag: Die Lawinen am Bild dürften am 17.4. abgegangen sei, als es regnerisch, warm und diffus war. (Foto: 26.04.2015)

 

Samstag, 25. April 2015

Kurze Gedanken zum Frühjahr und zum Schneefall in den Osttiroler Tauern

Das Frühjahr ist dafür bekannt, dass sich die Lawinengefahr rasch zum Guten bzw. zum Schlechten ändern kann. Schlechter wird es immer dann, wenn die Schneedecke massiv durchnässt wird (und noch nicht allzu viele Auftau- und Wiedergefrierzyklen hinter sich hat.). Besser wird es u.a. nach deutlicher nächtlicher Abstrahlung. Nach Schneefällen verliert die Schneedecke hingegen durch den Strahlungseinfluss kurzfristig an Festigkeit, stabilisiert sich dann aber wieder sehr rasch. Letzteren Fall beobachten wir gerade in den Osttiroler Tauern.

 

Hochwinterbilder mitten im Frühjahr aus dem Defereggental (Foto: 24.04.2015)

 

An der Wetterstation bei Kals am Großglockner in den Osttiroler Tauern erkennt man die deutliche Abnahme der Schneehöhe ab den Nachmittagsstunden. Die Schneedecke hat sich dort inzwischen gut gesetzt und stabilisiert.

 

Kurzer Ausblick: Die heutige Nacht vom 25.04. auf den 26.04. wird nicht mehr klar sein. In tieferen Lagen wird die Schneequalität darunter etwas leiden. Harschdeckel können am Morgen v.a. unterhalb etwa 2200m mitunter brüchig sein. Darüber sollten diese (derzeit recht ausgeprägten) Deckel jedoch weiterhin tragfähig sein. Das Hauptkriterium wird morgen jedoch nicht so sehr die Lawinengefahr, sondern eher die zunehmend schlechten Sichtverhältnisse v.a. entlang des Hauptkammes und südlich davon sein.

 

Von Montag auf Dienstag wird eine Kaltfront vermehrt in Nordtirol Schnee bringen. Wir erwarten dann eine ähnliche Entwicklung wie gerade in den Osttiroler Tauern…