Mittwoch, 17. Dezember 2014

Impressionen zur derzeitigen Situation

Bilder sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte. Hier Impressionen der jüngeren Vergangenheit.
 
 
Kammnaher Oberflächenreif (Nigg-Effekt) am 05.12. unterhalb des Hochalters (Nördliche Stubaier Alpen)
 
Durch kammnahen Oberflächenreif bedingter Lawinenabgang unterhalb des Kirchenkogels (Südliche Ötztaler Alpen) am 05.12.2014
 
Durch kammnahen Oberflächenreif bedingter Lawinenabgang unterhalb des Seelenkogels (Südliche Ötztaler Alpen) am 05.12.2014
 
Tief verschneiter Alpenhauptkamm Malhalm - Osttirol am 12.12.2014
 
Weiterhin schneearm v.a. im Norden und unterhalb etwa 2200m (Nördliche Stubaier Alpen) am 14.12.2014
 
„Kosmetischer Neuschnee“ in weiten Teilen Tirol (10.12.2014)
 
 
Stürmischer Wind ab dem 12.12.2014
 
…dadurch vermehrte Lawinenauslösungen und allgemein Rissbildungen (Wildspitze) am 12.12.2014
 
…häufig kammnah, meist gering mächtig (Hochleitenspitze, Zentralosttirol) am 12.12.2014
 

Samstag, 13. Dezember 2014

Zum Teil erhebliche Lawinengefahr aufgrund umfangreicher Verfrachtungen

Der Wind als Baumeister der Lawinen hat zu einem Anstieg der Lawinengefahr geführt. Betroffen sind die Regionen entlang des Alpenhautkammes sowie Osttirol oberhalb etwa 2500m.
 
Derzeit zum Teil stürmischer Wind aus südlichen Richtungen in Tirol
 
Die Hauptgefahr geht von frischem Triebschnee v.a. in hoch gelegenen, kammnahen, sehr steilen Hängen aus, der mitunter bereits durch geringe Belastung gestört werden kann. Wir raten deshalb, eingewehten, sehr steilen Hängen möglichst auszuweichen.
 
Hier ein typisches Bild vom Samstag, den 12.12.2014 auf Tirols, hoch gelegenen Bergen…
 
Umfangreiche Schneeverfrachtungen im hinteren Ötztal (Foto: 12.12.2014)
 
Vorsicht: Am 12.12.2014 wurden einige Lawinen von Wintersportlern im kammnahen, sehr steilen Gelände in großen Höhen ausgelöst. Dies bestätigt u.a. auch die erhöhte Störanfälligkeit der Schneedecke. Frischen Triebschneeansammlungen sollte deshalb derzeit möglichst ausgewichen werden.
 
Weitere Details zur Situation in der heute verfassten Information zur Lawinensituation bzw. demnächst hier im Blog mit zusätzlichem Bildmaterial.
 

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Während der kommenden Tage vor allem auf kammnahen, kleinräumigen Triebschnee in größeren Höhen entlang des Alpenhauptkammes sowie in Osttirol achten

Der wärmste November seit Beginn der Messungen liegt hinter uns, was sich auch auf die Schneeverteilung im Land entsprechend ausgewirkt hat. Diese ist recht unterschiedlich. Im Norden des Landes findet man zusammenhängende Schneefelder am ehesten noch in schattigen Bereichen oberhalb der Waldgrenze.
 
Blick Richtung Hochimst, Muttekopf – Region Arlberg-Außerfern (Foto: 04.12.2014)
 
In den Regionen entlang des Alpenhauptkammes von den Südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen bis zu den Osttiroler Tauern samt Zentralosttirol herrschen hingegen oberhalb etwa 2000m bereits recht winterliche Verhältnisse vor.
 
Pitztal (Foto: 04.12.2014)
 
Hinterer Seelenkogel – Südliche Ötztaler und Stubaier Alpen. Man erkennt u.a. das Wolkenmeer südlich des Alpenhauptkammes (Foto: 29.11.2014).
 
In Osttirol liegt inzwischen bis in Tallagen eine dünne Schneedecke, oberhalb der Waldgrenze liegt zumindest schattseitig vielerorts schon ausreichend Schnee für Wintersportaktivitäten, wobei die Schneemächtigkeit mit der Seehöhe oberhalb etwa 2400m häufig sprunghaft zunimmt.
 
Neuschnee bis ins Tal in Osttirol, St. Veit im Defereggen - Zentralosttirol (Foto: 04.12.2014)
 
Unterwegs Richtung Großen Leppleskogel – Zentralosttirol (Foto: 02.12.2014)
 
In den Osttiroler Dolomiten (Foto: 04.12.2014)
 
Anhand unserer automatischen Wetterstationen erkennt man sehr gut den Wetterverlauf der vergangenen Woche, wobei das Wetter zweigeteilt war: Im Süden bewölkter und niederschlagsreicher als im Norden.
 
Wetterstation Compedal in Osttirol: Anfangs erkennt man noch die letzten überdurchschnittlich warmen Novembertage; dann langsamer Temperaturrückgang mit Neuschnee; Südströmung bei mäßigem Wind
 
 
Wetterstation Pitztaler Gletscher in den Südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen: Anfangs in großen Höhen starke Südströmung; frühlingshafter Sonntag, der 30.11.; dann wechselhafte Tage mit wenig Niederschlag und langsam sinkenden Temperaturen
 
 
Am meisten schneite es in Osttirol…
 
Neuerlich waren wir im Gelände und haben uns die Schneedecke angeschaut. Mögliche Problembereiche findet man derzeit nur in oberflächennahen Schichten:
 
Einerseits meldeten uns unsere Beobachter Peter Raich und Patrick Gufler unabhängig voneinander aus den Südlichen Ötztaler Alpen im hochalpinen kammnahen, schattigen Gelände Oberflächenreif, der inzwischen leicht eingeschneit wurde. (Nigg-Effekt!). Nachtrag vom 05.12.: Zumindest kleinräumig wurde auch im südlichen Osttirol am 30.11. Oberflächenreif beobachtet.
 
Selbst konnten wir heute am 04.12. die im vergangenen Blog erwähnte am 25.11. gebildete Eislamelle am Geigenkamm (Südliche Ötztaler Alpen) auf 2700m finden, in deren Bereich aufbauende Umwandlungsprozesse stattgefunden haben. Weiters hat sich hinter Geländekanten in hohen Lagen mitunter kleinräumig frischer Triebschnee abgelagert, der auf lockerem Pulverschnee mitunter störanfällig sein kann. In Summe fehlt aber auf diesen möglichen Schwachstellen häufig eine entsprechend mächtige Schneeauflage, um Spannungen aufzubauen.
 
Schneedeckenuntersuchungen als Basis für unserer Gefahreneinschätzungen. Knapp oberhalb unseres Standortes ließ sich frischer Triebschnee in Form von Schollen auslösen; Geigenkamm – Südliche Ötztaler Alpen (Foto: 04.12.2014)
Osttirol…
 
Schauen wir uns die Prognose für die kommenden Tage an, so wird es nur zu einer geringfügigen Zunahme der Gefährdung kommen. Bis Montag soll es nämlich meist nur um 10cm Schnee schneien.
 
Neuschneeprognose der ZAMG für die kommenden Tage
 
Der Wind sollte eher schwach sein, erst am Montag, den 08.12. mehr zulegen.
 
Das bedeutet in Summe: Während der kommenden Tage heißt es vor allem dort aufzupassen, wo stärkerer Wind zu Verfrachtungen führt. Im sehr steilen Gelände lassen sich dort mitunter kleinere Schneebrettlawinen auslösen. Vermehrt gefährdet ist v.a. hochalpines, kammnahes, schattiges Gelände u.a. auch wegen möglicher Einlagerungen von Oberflächenreif. Mit etwas Erfahrung in der Lawinenbeurteilung können frisch eingewehte Bereiche allerdings bei entsprechenden Sichtverhältnissen sehr gut erkannt werden.

Samstag, 29. November 2014

Warme Temperaturen fördern den Schmelz-, aber auch den Stabilisierungsprozess der Schneedecke

Dieses Wochenende starten weitere Skigebiete in die Wintersaison - leider bei meist sehr dürftiger Schneelage.

 

Wirklich ausreichend Schnee liegt derzeit nur in  den Regionen entlang des Alpenhauptkammes oberhalb etwa 2000m. Entsprechend tolle Bedingungen findet man deshalb in unseren Gletscherskigebieten!

 

Die Gesamtschneehöhenkarte unterrepräsentiert derzeit die Schneehöhen entlang der Zillertaler Alpen, da die für die Kartenerstellung herangezogenen Wetterstationen meist in mittleren, schneearmen Höhenlagen liegen.

 

Blick von der Wanglspitze Richtung Hintertuxer Gletscher - Zillertaler Alpen - am 29.11.2014

 

Inzwischen konnten wir uns auch in größeren Höhen ein gutes Bild über die Schneedeckenbeschaffenheit machen, welches mit Rückmeldungen von Bergführern übereinstimmt: Die Schneedecke ist derzeit verbreitet gut aufgebaut. Bedenkliche Schwachschichten konnten wir in letzter Zeit keine finden. Dort, wo bei Stabilitätstests Brüche aufgetreten sind, kam es nie zu Bruchfortpflanzungen, was als gutes Zeichen zu werten ist.

 

Auffallend sind derzeit dünne Eislamellen, die sich an bzw. knapp unterhalb der Schneeoberfläche um den 25.11. gebildet haben. Diese findet man am ehesten in einem Höhenbereich zwischen etwa 2300m und 2900m (teilweise vermutlich auch höher?) meist im Sektor WNW über N bis ONO tendenziell häufiger vom Wipptal westwärts. Wir sind sehr an Informationen über solche Eislamellen interessiert, da sich in deren Bereich mitunter im Laufe des Winters Schwachschichten ausbilden könnten. Somit unsere große Bitte: Solltet ihr Eislamellen beobachten, dies bitte via mail an lawine@tirol.gv.at mit Angabe des Ortes, der Höhe und Exposition schicken. Herzlichen Dank dafür!!!

 

Dünne Eislamelle an der Schneeoberfläche, Pockkogel - Nördliche Stubaier Alpen; (Foto: 26.11.2014)

 

Lawinenabgänge sind derzeit eher unwahrscheinlich.

 

Triebschneepakete, die um den 20.11. störanfällig waren, sind inzwischen kein Thema mehr: Hier ein Bild eines Schneebrettabgangs vom 20.11. unterhalb der Stubaier Wildspitze - Südliche Stubaier Alpen - mit glimpflichem Ausgang (Foto: 24.11.2014)

 

Am ehesten muss man in den schneereichen, hoch gelegenen Gebieten mit vereinzelten Gleitschneelawinen aus steilen Wiesenhängen rechnen.

 

Verwalltal - Südliche Ötztaler Alpen; (Foto: 25.11.2014)

 

Hier noch ein paar Impressionen der vergangenen Tage…

 

Blick vom Tiroler „K2“ im Pitztal - Südliche Ötztaler Alpen - Richtung Osten (Foto: 24.11.2014)

 

Am Weg Richtung Längentaler Weißerkogel - Nördliche Stubaier Alpen - bei anfangs noch sehr dürftiger Schneelage (Foto: 25.11.2014)

 

Blick unterhalb des Pockkogels - Nördliche Stubaier Alpen - Richtung Nordwesten (Foto: 26.11.2014)

 

Fortschreitende Ausaperung im besonnten Gelände, Saile - Nördliche Stubaier Alpen; (Foto: 24.11.2014)

 

Zwar liegt auf den Gletschern entlang des Alpenhauptkammes bereits einiges an Schnee (meist um 1,50cm), dennoch heißt es gerade jetzt im Frühwinter besonders auf mangelnde Spaltenüberdeckung zu achten! Südliche Stubaier Alpen; (Foto: 24.11.2014)

Freitag, 21. November 2014

Am meisten Schnee liegt am Alpenhauptkamm in großen Höhen. Dort herrschen überwiegend günstige Bedingungen bei allerdings schlechter werdender Schneequalität

In mehreren Staffeln hat es seit dem 15.11. geregnet, in größeren Höhen auch geschneit, am meisten wieder einmal im Süden des Landes, insbesondere in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes. Dort ist es in großen Höhen bereits richtig winterlich.

 

Stattliche Gesamtschneehöhe am Pitztaler Gletscher. Immer wieder Schneefall, meist Südstaulage. Am schönsten war der 20.11. Am 21.11. Eintrübung und Erwärmung.

 

Blick vom hinteren, tief verschneiten Ötztal in Richtung Inntal. (Foto: 20.11.2014)

 

Kurzfristig hatten wir ein kleines Problem mit frischen Triebschneepaketen, die sich teilweise auch noch am 20.11. durch gebietsweise stärkeren Wind gebildet hatten. Einige Skifahrer lösten dabei Rutsche aus, u.a. am Östlichen Daunkogel in den Stubaier Alpen. Alles ging glimpflich aus.

 

Vereinzelt gering mächtiger Triebschnee, der am 20.11. störanfällig war. Gleich wieder ins Gedächtnis rufen: Kalter, lockerer Pulver, der vom Wind verfrachtet wird, ist im sehr steilen Gelände leicht zu stören.

 

Sonnseitig lösten sich mitunter im extremen Steilgelände Lockerschneerutsche (Foto: 20.11.2014)

 

Mancherorts konnte man am 20.11. super Pulver genießen.

 

Ein Pulvertraum im hinteren Ötztal (Foto: 20.11.2014)

 

Warme, über Tirol ziehende Luftmassen machten diesen Pulvertraum zumindest unterhalb von etwa 2500m zunichte. Der Schnee stollte.

 

Warme, feuchte Luftmassen strömten vom 20.11. auf den 21.11. in Tirol ein.

 

Die Schneedecke wurde oberflächig unterhalb etwa 2500m rasch feucht. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 21.11.2014)

 

Inzwischen konnten wir uns auch ein verhältnismäßig gutes Bild über die Beschaffenheit der Schneedecke machen. Meist dürfte die Schneedecke recht stabil sein. Mögliche Schwachpunkte findet man am ehesten im Bereich von dünnen Schmelzkrusten. Die Stabilitätstests zeigen jedoch durchwegs eine geringe Tendenz zur Bruchfortpflanzung. Hochalpin, also oberhalb von 3000m haben wir noch zu wenig Infos für gesicherte Aussagen, doch auch dort dürfte sich die Situation im Gegensatz zu Anfang November gebessert haben. Sorgfältig zu beurteilen wird am ehesten noch extrem steiles, eher schneeärmeres Gelände im Sektor Nord sein.

 

Bei Stabilitätsuntersuchungen konzentrieren wir uns derzeit besonders im Bereich von dünnen Krusten (Hinteres Ötztal am 20.11.2014)

 

Gut zu erkennen sind zwei Schmelzkrusten. Details dazu hier

 

Brüche können initiiert werden, pflanzten sich jedoch bei unseren Tests nicht fort. (Nördliche Stubaier Alpen am 21.11.2014)