Donnerstag, 29. Dezember 2011

Mehrere Unfälle durch zwei verschiedene Lawinentypen

Was den Auslösemechanismus betrifft - und der ist ja in der Vorhersage und bei der Vermeidung von Lawinen ausschlaggebend - so kann man ganz klar zwischen drei Lawinenarten unterscheiden:

1        Schneebrettlawinen ... Gebundener Schnee (bzw. das sogenannte "Schneebrett") gleitet auf einer Schwachschicht, in der sich ein durch Zusatzbelastung initiierter Bruch ausgebreitet hat, ab.

2        Lockerschneelawinen ... Ausgelöst an einem Punkt, rutscht lockerer Schnee nach unten und bildet einen birnenförmigen Anriss.

3        Gleitschneelawinen ... Das langsame Gleiten einer Schneetafel über einen glatten Untergrund geht plötzlich in eine Lawine über. Niemals(!) ist hier eine Zusatzbelastung (wie etwa ein Wintersportler) der Auslöser.

Mit Abstand die meisten Lawinenopfer werden von Schneebrettlawinen begraben, Lockerschneelawinen verschütten nur selten Personen, können aber Abstürze im Steilgelände verursachen. Gleitschneelawinen gefährden häufig Straßen und Bauten, verschütten aber nur äußerst selten Personen. Das gestern verunglückte Paragleiter-Paar wurden dennoch von einer Gleitschneelawine begraben. Sie waren in gewisser, tragischer Weise "am falschen Ort zur falschen Zeit".

 

Blick über den Lawinenkegel hinweg auf den Wiesenhang von dem die Gleitschneelawine abgegangen ist, die am 26.12. zwei Todesopfer gefordert hat (Bereich Jöchlspitze, Gemeinde Bach).

 

Die Unglückslawine hatte beachtliche Ausmaße. Die fatale Wirkung der Gleitschneemassen wurde jedoch zusätzlich verstärkt, da sich der ganze Schnee hinter einem Schutzwall staute, der seinerseits auch wegen der an dieser Stelle immer wieder drohenden Gefahr von Gleitschneelawinen zum Schutz von Piste und Gebäuden errichtet worden ist.

 

Trotz sofortiger Suche unter der Beteiligung von etlichen Helfern, drei Hubschraubern und einigen Lawinenhunden konnten die beiden Personen nur noch tot geborgen werden (Bereich Jöchlspitze, Gemeinde Bach).

 

Dass das Gefahrenmuster "Gleitschnee" momentan ein Problem darstellt, zeigte sich neben dem tödlichen Unfall im Außerfern zumindest auch an zwei weiteren Orten. Sowohl im Skigebiet Fiss/Serfaus (27.12.) als auch im Skigebiet Nordpark in Innsbruck (28.12.) ging eine Gleitschneelawine auf eine Skiroute bzw. Piste ab. Glücklicherweise konnten die Beteiligten in beiden Fällen rasch befreit werden.

 

Gleitschneerutsche und -lawinen prägen das Bild auf vielen Wiesenhängen. Das linke Bild wurde am 28.12. um 12:00 Uhr, das rechte um 13:30 aufgenommen. (Es handelt sich um Südhänge unterhalb der Pramarnspitze, Stubaier Alpen auf ca. 2300 m.)

 

Wie in den gestrigen Blogeinträgen bereits erwähnt, machen neben den Gleitschneelawinen auch hochalpine Schattenhänge derzeit Probleme. Der bereits analysierte Lawinenabgang am Pflerscher Pinggl (siehe gestriger Blog) ist nur eines von vier Ereignissen, das uns in den letzten Tagen gemeldet worden ist. Auch am Mittagskogel im Pitztal (auf 2500 m), am Hinteren Kreuzjoch im Paznauntal (auf ca. 2800 m) und an der Kuhscheibe im Ötztal (auf ca. 3150 m) wurden Lawinen durch Wintersportler ausgelöst. Bei allen vier Lawinenabgängen handelte es sich um Schneebrettlawinen und als Schwachschicht diente in jedem der Fälle Schwimmschnee, der sich während des Herbsts in schattigen Lagen oberhalb von ca. 2500 m gebildet hat.

 

Schneebrettlawine, ausgelöst unterhalb der Kuhscheibe, Stubaier Alpen, auf ca. 3150 m.

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