Freitag, 20. Januar 2012

Die Beschaffenheit der Altschneeoberfläche als entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung der Lawinengefahr

Vor Neuschneefällen ist es immer wichtig, über die Beschaffenheit der Altschneedecke möglichst gut Bescheid zu wissen. Davon hängt nämlich unmittelbar die Verbindung zwischen Neu- und Altschnee ab. Wegen der vorhergesagten und inzwischen bereits eingesetzten Niederschlägen haben wir uns deshalb während der vergangenen Tage intensiv mit diesem Thema beschäftigt.

 

Da die Schneedecke während der vergangenen Tage länger der Kälte ausgesetzt war baute sich diese oberflächig aufbauend um. Das Ergebnis war einerseits Oberflächenreif, andererseits eine zum Teil lockere Oberflächenschicht aus kleinen, kantigen Kristallen.

 

Oberflächenreif (Foto vom 17.01.2012). Vermehrt fand man diesen in tiefen und mittleren Höhenlagen, deutlich kleiner als auf diesem Foto auch in höheren, vermehrt schattigen Lagen.

 

 

Die schön glitzernde Schneedecke weist in diesem Fall auf bereits einsetzende aufbauende Umwandlungsprozesse hin...

 

Wichtig ist immer auch die Variabilität der Altschneedecke, je gleichmäßiger, desto eher können sich auch größere Lawinen lösen. Für uns wichtig: In höheren Regionen wütete der Wind. Die Altschneeoberfläche ist dort sehr unregelmäßig.

 

Eine raue Altschneeoberfläche wirkt sich in höheren Lagen positiv auf die Schneefälle aus...

 

In geschützten Bereichen, vermehrt in Windschattenhängen der Exposition NO über O bis SO, ist die Altschneeoberfläche hingegen regelmäßiger aufgebaut.

 

In höheren, bisher eher windberuhigten Lagen der Exposition NO über O bis SO sind am ehesten auch größere Lawinenabgänge zu erwarten...

 

Gestern ist dann eine Warmfront über Tirol gezogen, mit Regen bis meist um 2000m hinauf, teilweise auch höher. Dies wirkte sich in diesen Höhenlagen einerseits günstig auf die Altschneedecke aus, da die aufbauend umgewandelte Schneeoberfläche zerstört wurde, andererseits wurde die Schneedecke zunehmend durchfeuchtet. Dadurch werden wieder vermehrt Gleitschneelawinen abgehen.

 

Bild vom 19.01. aus dem Unterland. Niederschlag hat bereits eingesetzt: Bis ca. 2200m hinauf in Form von Regen...

 

Vermehrter Abgang von Gleitschneelawinen in den regenbeeinflussten Gebieten...

 

Auf alle Fälle sollte man wegen der vorhergesagten, zum Teil intensiven Neuschneefälle, die wieder einmal mit starkem Wind fallen werden, auf die Lawinengefahr besonders achten! In den neuschneereichen Regionen sind auch spontane Lawinen ein Thema!

 

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