Freitag, 27. Dezember 2013

Im Süden des Landes zum Teil heikle Lawinensituation - zahlreiche Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung am 27.12. - noch mit glimpflichem Ausgang! Bitte vorsichtig sein!!!

Die Prognosen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Innsbruck (ZAMG) haben super gepasst. Der Föhn ließ es am 25.12. im Süden bereits schneien, während es im Norden aufgelockert war.
 
Der Kampf der Elemente am 25.12.2013 (Blick vom Inntal Richtung Rangger Köpfl und Kalkkögel)
 
Nach stürmischen Tagen fiel mit einem deutlichen Süd-Nordgefälle einiges an Schnee. Im südlichen Osttirol sowie in den südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen waren es lokal sogar über 100cm.
 
 
Die Lawinensituation war angespannt und erreichte im Süden des Landes am 26.12. mit großer Gefahr ihr Maximum. Übrigens wird sich die Situation mit der vorhergesagten Windzunahme am 28.12. wieder verschärfen!
 
 
Wie sich inzwischen rausstellte, passte die Einstufung perfekt. Wir konnten im Gelände zahlreiche Selbstauslösungen beobachten bzw. wurde uns darüber berichtet. Setzungsgeräusche stehen an der Tagesordnung. Gerade ist auch die Meldung eines unserer Beobachter aus Obergurgl eingegangen: „Im Waldbereich ist es unglaublich labil, überall Wumm Geräusche und Risse. Äußerst gefährlich war es heute. Mal schauen wie es weiter geht.“ Ebenso gab es heute am 27.12. mitunter sehr gute Sprengerfolge.
 
Guter Sprengerfolg im Bereich des Gaislachkogels am 27.12.2013
 
In rot spontane Lawinenabgänge vom 26.12.2013 (Oberiss, Stubaier Alpen)
 
Vermehrt konnte man spontane Lawinen im Sektor WNW über N bis ONO beobachten.
 
Spontane Lawine vom 26.12. im extremen Steilgelände, Südliche Stubaier Alpen (Foto vom 27.12.2013)
 
Spontane Lawine vom 26.12. im extremen Steilgelände, Südliche Stubaier Alpen (Foto vom 27.12.2013)
 
Südseitig beobachtete man primär Lockerschneelawinen, die durch die Sonneneinstrahlung am 27.12. bedingt waren.
 
Lockerschneelawinen im südexponierten Steilgelände vom 27.12.2013
 
Vorsicht: Im südlichen Osttirol sind in tiefen und mittleren Lagen derzeit in allen Expositionen Gleitschneelawinen ein nicht zu unterschätzendes Thema!
 
Heute sind 10 Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung bekannt geworden. Oftmals war viel Glück im Spiel, dass nichts passiert ist. Meldungen gingen u.a. vom Arlberg, aus der Silvretta Skiarena, Söldner Skigebiet, Obergurgl und Goldried ein. Mit Sicherheit war die Dunkelziffer recht hoch.
 
Ein eindrucksvolles Foto von einem Lawinenabgang am 27.12. bei der Heidebahn in Sölden zwischen Lawinengalerien: roter Pfeil: Fuß einer verschütteten Person, die geborgen werden konnte.
 
Heute am 27.12. legte der Wind während des Tages teilweise wieder zu. Die Daten der Wetterstation Gallreideschrofen zeigen dies deutlich, aber auch was sich während der vergangenen Tage abgespielt hat. Anfangs eine ausgeprägte Südstaulage mit Orkan auf den Bergen. Dann einsetzender Niederschlag aus Süden. Weiters Winddrehung auf West und Temperaturrückgang samt andauerndem Schneefall. Inzwischen liegen wir wieder in einer Südströmung.
 
 
 
 
Neue gefährliche Triebschneeansammlungen bildeten sich mancherorts am 27.12.2013 (Stubaital)
 
Windzeichen an der Schneeoberfläche.
 
Frische Windzeichen am 27.12.2013
 
Als Gefahrenmuster sind gm.6 und gm.1, aber auch gm.7 zu berücksichtigen.
 
Wenn man in die Schneedecke gräbt sieht man dies.
 
Oberste Schicht ist im Neuschnee gebrochen (frischer Triebschnee), darunter Bruch im kantigen, lockeren Altschnee
 
Hier war im Neuschnee noch kein Wind im Spiel. Vorsicht v.a. auf kantige Kristalle in Bodennähe (sh. auch frühere Blogeinträge). Besonders gefährdet bisher windberuhigte Bereiche im Sektor WNW über N bis ONO.
 
Fast ganz zum Schluss somit der Appell: Während der kommenden Tage besonders zurückhaltend sein!
 
Besser ist es nur im Norden. Dort liegt allerdings auch wenig Schnee.
 
In den Kitzbühelern.
 
Sonst noch berichtenswert: Der Strom fiel teilweise durch umstürzende Bäume aus.
 
 

1 Kommentar:

  1. Ich kann die Einschätzung aus Obergurgl/Hichgurgl bestätigen. An diesem Tag wurden mehrere Lawinen durch Skifahrer ausgelöst, die durchaus beachtliche Größen erreichten, insbesondere für Hänge mitten in einem Skigebiet. Überraschend war, wie viele trotz der Meldungen im Radio und an den Liftstationen ohne Ausrüstung (und wohl auch ohne Ahnung) im Gelände unterwegs waren. Sogar ein Skilehrer der örtlichen Skischule war mit seiner Gruppe (ohne Ausrüstung) im Gelände unterwegs und hat eine Lawine ausgelöst, sodass zwei andere im Hang befindliche Boarder ihre Airbags auslösen mussten (wurden nicht verschüttet, die Lawine kam nach ca 100 Metern 1 Meter vor den beiden zum Stillstand). Wie kann man die Skilehrer dazu bewegen, nicht mit schlechtem Beispiel voranzugehen?

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