Donnerstag, 1. Mai 2014

Vorsicht! Erhöhte Lawinenaktivität in hohen und hochalpinen Lagen!

Während der vergangenen drei Tage konnten in Tirol wieder vermehrt spontane Lawinen beobachtet werden. Meist waren es unmittelbar nach den Schneefällen nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände, teilweise aber auch mittelgroße, vereinzelt auch große Schneebrettlawinen, v.a. im Sektor W über N bis O oberhalb etwa 2500m.
Als Auslöseursache spielten und spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle:
Das Wetter ist weiterhin sehr wechselhaft mit meist hoher Luftfeuchtigkeit, mitunter hohen Temperaturen und intensiver (häufig auch diffuser) Strahlung. Dies führt auch in größeren Höhen zu einer fortschreitenden und teilweise erstmaligen Durchfeuchtung der Schneedecke in bodennahen, kantigen Schichten. Wie schon in früheren Blogs beschrieben, ist die Schneedecke dann leichter zu stören, als bei bereits oftmaliger Durchnässung der Schneedecke bis zum Boden (wie es heuer in tiefen und mittleren Lagen bereits der Fall war).
Wichtig erscheint aber auch, dass es während der vergangenen Schneefälle immer wieder gegraupelt hat. Dies konnten wir am Montag im Pitztal beobachten. Ein Ötztaler Bergführer bestätigte dies heute am 01.05. bei einer Tour am Ötztaler Hauptkamm. Der Graupel dürfte teilweise massiver abgelagert worden sein und somit eine nicht zu unterschätzende Schwachschicht gebildet haben, die sowohl durch Strahlungseinfluss als auch durch Zusatzbelastung gestört werden kann. Solche relativ kleine Lawinen können in Folge dann zur Auslösung großer Schneebrettlawinen führen, wie es auch durch Lockerschneelawinen möglich ist und auch während der vergangenen Tage mehrfach beobachtet wurde.
Diese Situation erinnert an Anfang Mai 2009, als bei sehr ähnlichen Bedingungen 6 tschechische Bergsteiger unterhalb des Schalfkogels Opfer einer Lawine wurden.
Somit unser Appell: Gerade in hohen und hochalpinen Lagen heißt es derzeit bei der Befahrung von sehr steilem Gelände zurückhaltend zu sein. Zudem sollte man die Wetterentwicklung besonders aufmerksam verfolgen, weil diese ja einen sehr unmittelbaren Einfluss auf die Lawinengefahr gerade jetzt im Frühjahr ausübt.

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