Samstag, 21. März 2015

Details zum tödlichen Lawinenunfall im Brunn-Alm-Tal - Variantengebiet des Skizentrums St. Jakob im Defereggen

Anhand der Informationen der Alpinpolizei sowie von Bergrettern können wir fundierte Aussagen über den Lawinenabgang machen:

Der Einfahrtsbereich samt Lawinenanriss (Foto: 20.03.2015)
Vater und Sohn wollten von der Bergstation des Hochalmliftes über eine Variante ins Brunn-Alm-Tal abfahren, um von dort wieder ins Skigebiet zu gelangen. Vor einer Versteilung in einer Höhe von etwa 2300m wartete der Vater, während der Sohn in den darunter befindlichen, extrem steilen, nach SW ausgerichteten Hang einfuhr. Nach ca. 50m löste dieser durch seine Belastung die Lawine aus. Er wurde bis zum Hangfuß mitgerissen und dort sichtbar ganz verschüttet (Kopf war unterhalb des Schnees, ein Fuß schaute heraus). Der Vater konnte den Sohn nur teilweise ausgraben, weil er keine entsprechende Ausrüstung bei sich hatte und der Schnee feucht und kompakt war. Zudem musste der Vater für die Absetzung eines Notrufes weiter abfahren, weil kein Handyempfang vorhanden war. Dadurch verspätete sich das Einlangen der ersten Rettungskräfte, was gegen 17:30 Uhr der Fall war. Die Person wurde sofort ausgegraben. Es konnte allerdings nur mehr der bereits eingetretene Tod festgestellt werden. Genickbruch war die unmittelbare Todesfolge.

Blick vom Hangfuß in Richtung Lawinenanriss und Lawinenbahn (Foto: 20.03.2015)
Bei der Lawine handelte es sich um eine nasse Schneebrettlawine mit einer Breite von ca. 40m und einer Länge von ca. 250m. Als Gleitfläche diente lockerer, aufbauend umgewandelter und durchnässter Altschnee. Die oberflächennahe Schicht war offensichtlich noch ausreichend gebunden (Schmelz- bzw. alte Windkrusten), sodass eine Spannungsübertragung noch möglich war. Eine gewisse Rolle könnte auch die vermehrte Befahrung des Variantengeländes gespielt haben, wodurch oberflächennahe Schichten verdichtet wurden. Ursächlich war jedoch die Durchnässung der bodennahen, lockeren Schicht, die erst wieder durch den Wassereintrag aufgrund der warmen Temperaturen und des Strahlungseinflusses störanfällig wurde.

Zwei Sachen, die man daraus lernen kann: Im Frühjahr ist eine gute Zeiteinteilung wichtiger denn je. Bei Durchnässung kann auch den Winter über viel begangenes bzw. befahrenes gefährlich werden.

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