Sonntag, 20. März 2016

Firn, Pulver, wenig Gefahrenstellen, leichter tageszeitlicher Anstieg der Lawinengefahr.

Das Frühjahr gibt nun auch auf den Bergen ein erstes Lebenszeichen von sich. Noch sind die dafür typische tageszeitliche Durchfeuchtung und der damit einhergehende Festigkeitsverlust nicht allzu ausgeprägt, was einerseits mit der sehr trockenen Luftmasse, andererseits mit der für die Jahreszeit eher unterdurchschnittlichen Temperaturen zu tun hat. Man beobachtet derzeit (am 20.03.) nur vereinzelte, kleine Nassschneerutsche bzw. nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem, besonnten Gelände.

Traumwetter: Anhand der Oberflächentemperatur erkennt man die gute nächtliche Abkühlung der Schneedecke. Es ist windarm bei voller Strahlung und für die Jahreszeit gemäßigten Temperaturen

Zumindest begünstigt der Wechsel aus oberflächiger Durchfeuchtung und nächtlicher Abkühlung der Schneedecke die Bildung eines tragfähigen Schmelzharschdeckels. Dies beobachtet man in steilen besonnten Hängen vermehrt unterhalb etwa 2600m mit steigender Tendenz. Bei guter Zeiteinteilung kann man somit tollen Firn genießen. Aber aufgepasst: Der harte Schmelzharschdeckel erhöht die Absturzgefahr!

Firn in den Osttiroler Tauern (Foto: 17.03.2016)

Die trockene Luftmasse führt auch dazu, dass sich der Pulverschnee in windberuhigten Schattenhängen sehr gut hält. Häufig trifft man diesen noch oberhalb etwa 2000m an, teilweise reicht diese Höhengrenze bis 1500m herunter.

Häufig gibt es noch tollen Pulverschnee, wie hier in den Osttiroler Tauern (Foto: 17.03.2016)

Was die Schneedeckenstabilität anlangt, so hat sich diese weiter gebessert. Dies zeigen Schneedeckenuntersuchungen, aber wohl auch die zahlreichen, zum Teil extremen Abfahrten, die während der vergangenen Zeit absolviert wurden. Denkbar sind Lawinenauslösungen unter ungünstigen Voraussetzungen am ehesten noch in den inneralpinen Regionen sowie im südlichen Osttirol im Bereich der bekannten, bodennahen Schwachschicht schattseitig oberhalb etwa 2500m. Ungünstige Voraussetzungen sind dabei: extrem steil, schattseitig, schneearm, insbesondere große Zusatzbelastung. Sollte es dann jedoch zu einer Störung dieser Schwachschicht kommen, können Lawinen durchaus mittlere Größe erreichen.

Mögliche bodennahe Schwachschicht am Glungezer in den Tuxer Alpen. Der bodennahe Schwimmschnee ist bereits verkrustet und lässt sich somit nicht mehr so leicht stören. (Foto: 19.03.2016)

Hier das zu obigem Foto passende Profil unterhalb des Glungezers. Man erkennt eine mögliche Schwachschicht, die allerdings nur unter ungünstigen Voraussetzungen gestört werden kann.

Inzwischen werden auch extreme Abfahrten durchgeführt; Rosskogel Nord, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 19.03.2016)

Hier noch einige weitere Eindrücke der vergangenen Tage:

Dort, wo die Schneedecke oberflächig angefeuchtet wird und Wind drüberstreicht, bilden sich Firnspiegel. Am Foto erkennt man zusätzlich eine kleine nasse Lockerschneelawine im linken Bilddrittel. Tuxer Alpen (Foto: 19.03.2016)

Am Nachmittag können Wintersportler, dort, wo die Schneedecke durchfeuchtet wird, Nassschneerutsche auslösen. (Foto: 17.03.2016)

Vorsicht vor Wechtenbrüchen! Ahornspitze, Zillertaler Alpen (Foto: 19.03.2016)

Kammnah, hochalpin, schattseitig gibt es mitunter noch kleine Triebschneepakete auf Oberflächenreif. Meist sollte die Spannung für eine Auslösung nicht mehr ausreichen (Foto: 16.03.2016)

Ein typisches Bild: Im Tal wird es grün, in der Höhe liegt ausreichend Schnee für Wintersportaktivitäten (Foto: 19.03.2016)

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