Freitag, 29. April 2016

Nach winterlichen Verhältnissen stellt sich wieder eine Frühjahrssituation ein

Die vergangenen Tage waren in der Höhe tief winterlich. Die Berge zeigten sich dabei zum Teil so verschneit, wie den ganzen Winter nicht.

Tief verschneit präsentiert sich die Grubenwand in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 28.04.2016)

Am kräftigsten schneite es in Osttirol. (Osttiroler Tauern bis zu 50cm). Das Foto wurde am Weg zum Hochstein oberhalb von Lienz aufgenommen. (Foto: 27.04.2016)

Trotz des bis zum 27.04. meist starken Windes konnte man in größeren Höhen doch auch tollen Pulverschnee genießen.

Ein Pulvertraum im Tourengebiet der Franz-Senn-Hütte (Foto: 28.04.2016)

Nun beginnt die Temperatur bei allgemein kräftiger Sonneneinstrahlung zu steigen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie rasch die Schneedecke um diese Jahreszeit nach einer überdurchschnittlich kalten Zeit wieder feucht wird.

Auffallend: Neuschneezuwachs am 27.04. (Die Schneestation war die Tage zuvor bereits ausgeapert, was man auch gut anhand der positiven Oberflächentemperatur erkennt.) Neuschneezuwachs am 27.04. und eine sternenklare Nacht vom 27.04. auf den 28.04. ließen die Schneeoberflächentemperatur in den Keller rasseln: -20°!) Heute am 29.04. steigt die Temperatur deutlich an. In kürzester Zeit erreichte die Schneeoberflächen wieder eine Temperatur von 0°C.

Bereits gestern am 28.04. wirkte sich der Strahlungseinfluss auch auf die Lawinentätigkeit aus. Aus felsigem Gelände gingen immer wieder Lockerschneelawinen ab.

Lockerschneelawinen in den Südlichen Stubaier Alpen (Foto: 28.04.2016)

Hochalpin konnte man die kürzlich gebildeten Triebschneepakete, v.a. im extrem steilen Gelände noch stören. Dies bestätigte sich u.a. unterhalb der Westlichen Schwarzenbergspitze in den Stubaier Alpen, wo Wintersportler während des Aufstiegs eine Schneebrettlawine auslösten. Es war wohl einiges an Glück im Spiel, dass dabei niemand zu Schaden gekommen ist.

Lawinenauslösung in einem extrem steilen NO-Hang auf ca. 3300m unterhalb der Westlichen Schwarzenbergspitze (Foto: 28.04.2016)

Ein Vorteil während des Frühjahrs besteht u.a. auch darin, dass sich oberflächennahe Schwachschichten relativ rasch mit den umliegenden Schichten verbinden. Gestern am 28.04. war dies v.a. unterhalb von 3000m sehr gut festzustellen.

Ein Blick auf die Schneeoberfläche: Eine Abfolge von weicheren und härteren Schichten, die – wie hier am Bild auf ca. 2600m SO-seitig - leicht durchfeuchtet und untereinander bereits gut verbunden waren. (Foto: 28.04.2016)

Bei diesem, von unserem Beobachter Lukas Ruetz aufgenommenen, Profil erkennt bei 109,5cm eine dünne, leicht aufbauend umgewandelte Schicht oberhalb der Saharastaubschicht. Die Verbindung ist gut. Der Prozess der aufbauenden Umwandlung (Gefahrenmuster 4 = kalt auf warm) ist inzwischen durch die steigenden Temperaturen und die Schneeauflage gestoppt worden. Wichtig erscheint bei dem Profil die bodennahe Schwachschicht, die bei fortschreitender Durchnässung der Schneedecke wieder aktiviert werden kann.

Ergänzend zum vorigen Profil unten noch eines, welches wir am 28.04. auf Gletschereis aufgenommen haben.


Man erkennt auch dort mögliche, bodennahe Schwachschichten, die derzeit zwar unproblematisch sind, dann aber v.a. zum Problem werden können, wenn freies Wasser eindringt.

Solche möglichen Schwachschichten findet man derzeit v.a. in den Stubaier, Ötztaler, Tuxer und Zillertaler Alpen schattseitig oberhalb etwa 2400m-2500m, in besonnten Hängen oberhalb etwa 3000m. Es handelt sich dabei um ein Relikt der während des Winters so dominierenden, bodennahen Schwachschicht(en). Dies gilt es bei der Tourenplanung im Monat Mai prinzipiell nicht ganz außer Acht zu lassen.

Zur Erinnerung ein Bild vom 20.04.2016, als nach intensiven Schneefällen Schneebretter im hochalpinen Gelände bis zum Boden abgegangen sind. Südliche Ötztaler Alpen.

Neben der Durchfeuchtung können auch außergewöhnliche Belastungen Brüche im Altschnee verursachen. Denkbar sind neben großen Neuschneezuwächsen u.a. auch Wechten- oder Eisbrüche.

Vor einem Monat verursachte ein Eisbruch unterhalb der Liebenerspitze eine Lawinenauslösung im Altschnee (Foto: 28.03.2016)

Bei einer bereits durchfeuchteten, bodennahen Schwachschicht reichte z.B. bei einem Lawinenabgang unterhalb des Hoadl in der Axamer Lizum am 20.04. auch das Gewicht einer Dachlawine für die Auslösung einer Schneebrettlawine im schattigen Steilgelände auf 2320m aus. (sh. Blogeintrag).

Eine bodennahe, bereits etwas durchfeuchtete Schwachschicht wurde durch den Impuls einer Dachlawine derart gestört, dass sich folglich eine Schneebrettlawine löste (Foto: 20.04.2016)

Zusätzlich zu den vorigen Ausführungen hier noch kurz ein paar Merkhilfen für das Frühjahr:

Neuschnee reagiert besonders rasch auf Wärmeeintrag. Nach Neuschneefällen im Frühjahr wird man deshalb häufig Lockerschneelawinen beobachten können. Nach Neuschnee und Wind sind mitunter auch spontane Schneebrettlawinen v.a. aus besonnten Hängen möglich.

Werden Schwachschichten in der Altschneedecke erstmals durchnässt, kommt es zu einem massiven Festigkeitsverlust. Hingegen wirkt sich eine oftmalige Abfolge von Durchnässung und Wiedergefrieren schlussendlich positiv auf die Schneedecke aus (Endprodukt: stabiler Sommerschnee).

Während einer klaren Nacht kann sich die am Tag durchfeuchtete Schneedecke zumindest oberflächig verfestigen. Je trockener und kühler die Luft und je klarer die Nacht, desto günstiger ist die Lawinensituation am Morgen. Es besteht dann allerdings häufig erhöhte Absturzgefahr auf der harten Schneeoberfläche.

Eine gute Zeiteinteilung, das heißt ein früher Start und eine rechtzeitige Abfahrt (nach einer klaren Nacht) erhöhen nicht nur die Sicherheit, sondern garantieren häufig auch die bessere Schneequalität.

Hier noch ein paar weitere Eindrücke, welche zeigen, dass das Frühjahr nicht mehr aufzuhalten ist…

Immer häufiger zu beobachten: Murmeltiere

Ein Fuchs auf Streifzug…

Schnee weicht der grünen Wiese (Foto: 28.04.2016)

Lawinenreste im Kaunertal (Foto: 20.04.2016)

Schneebrücken über den Bächen werden weniger und brüchiger

Heute am 29.04. beenden wir die tägliche Erstellung des Lawinenlageberichtes. Bei einer gravierenden Änderung der Lawinensituation, bei besonderen Vorkommnissen sowie interessanten Entwicklungen werden wir jedoch fallweise Informationen zur Lawinensituation ausgeben und selbstverständlich in diesem Blog näher darauf eingehen.

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