Freitag, 25. November 2016

Ende der Föhnperiode, teils positive Entwicklung innerhalb der Schneedecke

Seit dem letzten Eintrag am Montag (21.11.) weht im Gebirge durchgehend Südföhn. Nach seinem Höhepunkt mit verbreiteten Orkanböen am Montag gingen die Windgeschwindigkeiten zwar zurück, die Woche verlief aber dennoch vielerorts recht windig und in besonders föhnanfälligen Lagen, wie etwa der Brennergegend oder um den Reschenpass, auch stürmisch. Dabei lag die Nullgradgrenze meist zwischen 2500 und 2700 Metern.

Verlauf der Station Elferspitze (Stubaier Alpen). Neben der gleichmäßig hohen Temperaturen und des föhnigen Südwindes lässt sich aufgrund der relativ niedrigen Strahlungswerte auf einen meist bewölkten Himmel schließen.

 Zeitrafferaufnahmen mit Blick ins Stubaital (20.11.). Erkennbar sind neben der mächtigen Föhnmauer hinter Habicht und Serles auch die von den Kämmen herabziehenden Schneefahnen, die auf Föhnsturm bei noch lockerem Pulverschnee hinweisen.

Webcamaufnahmen vom Schlegeisspeicher (Zillertaler Alpen) mit Blick nach Süden. Oberes Bild vom 21.11., unteres Bild vom 25.11. – der Schnee schwindet dahin. Bei ersterer Aufnahme sind die ausgeprägte Föhnmauer sowie der daraus fallende Niederschlag (am Standort als Regen, bis ca. 2000 m als Schnee) direkt am Alpenhauptkamm zu erkennen.

Die Schneedecke wurde unterhalb von 2100 – 2400 m arg in Mitleidenschaft gezogen und schmolz darunter vielerorts wieder ab. Direkt entlang des Alpenhauptkammes fiel insbesondere bis Mittwoch oberhalb von ca. 2100 m immer wieder Schnee aus der von Süden angestauten Bewölkung. Aufgrund des starken Windes und mangels Stationen ist die Neuschneemenge schwer festzustellen, dürfte aber meist zwischen 10 und 30 cm, nur wenige Kilometer abseits des Hauptkammes blieb es bei einzelnen, vom Wind verfrachteten Flocken.
Die bei der Anströmung aus Süd perfekt angestaute Region rund um das Timmelsjoch (etwa von der Hochwilde bis zum Zuckerhütl / Südliche Ötztaler- und Stubaier Alpen) bekam sehr lokal begrenzt sogar markante Neuschneemengen von bis zu 130 cm ab, wie sowohl von Stationen auf Südtiroler Boden als auch Beobachtermeldungen bestätigt wird.
Die Vorhersage des SNOWGRID-Schneedeckenmodells zeigte die räumliche Verteilung der starken Schneefälle und den starken Gradienten vom Hauptkamm ins Gurgler Tal im genannten Gebiet bestechend gut an, die Mengen wurden vom Modell etwas unterschätzt.
 
48h-Neuschneeprognose von SNOWGRID. Beachtlich ist die gut erkannte, lokale Abgrenzung des Ereignisses.

Die Entwicklungen innerhalb der Schneedecke sind meist positiv zu werten. Hohe Temperaturen und Regen bis 2800 m leiteten am 16.11. eine Erwärmung und Durchfeuchtung der bis dahin noch kalten Schneedecke ein. Mittlerweile ist die Schneedecke bis mindestens 2700 m hinauf weitgehend durchfeuchtet. Aufbauende Prozesse wurden gestoppt und aus bis dahin entstandenen, aufbauend umgewandelten Formen entwickelten sich Schmelzformen. Die Schneedecke ist hier weitgehend spannungsarm, nur hochalpin gilt es auf störanfällige Triebschneepakete zu achten. Genauere Informationen aus hochalpinen Gebieten werden wir bis Mitte der kommenden Woche einholen und veröffentlichen.

Schneeprofil aus dem Sellraintal (Nördliche Stubaier Alpen). Alte Schwachschichten wurden weitgehend aufgebaut, für die weitere Entwicklung interessant werden könnte die Schicht unter der Eislamelle (vom Regen am 16.11.) bei 52 cm.

Kurz zur weiteren Entwicklung: auch morgen Samstag (26.11.) bleibt es noch leicht föhnig, am Sonntag gelangt von Norden her kältere Luft zu uns. Etwas Neuschnee ist dabei möglich. Bis Mitte nächster Woche stellt sich dann freundliches Wetter bei frühwinterlichen Temperaturen ein.

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