Dienstag, 17. Januar 2017

In Tirol war bei Lawinenabgängen während der vergangenen Tage oftmals viel Glück im Spiel. Vorsicht v.a. vom Waldgrenzbereich aufwärts. Darunter meist recht sicher mit gutem Pulverschnee

Nach den ergiebigen Schneefällen zwischen dem 13.01. und 15.01. hat sich inzwischen eine kalte, zunehmend unter Hochdruck stehende Wetterlage eingestellt.

Die Schneefälle vom vergangenen Wochenende brachten vielerorts (mit Ausnahme des südlichen Osttirols) winterliche Verhältnisse

Das Wetter der vergangenen Woche: Schneefall mit Wind, sinkende Temperaturen und dadurch – bei einigen Wetterstationen – auch kurzfristig eingefrorene bzw. mit Anraum versehene Windsensoren

Viel Neuschnee im Außerfern am Weg zur Gehrenalm (Foto: 15.01.2017)

Auch im nördlichen Teil des Alpenhauptkammes wurde es winterlich (Foto: 14.01.2017)

Schon während des Schneefalls, als in den neuschneereichen Gebieten die Lawinengefahr kurzfristig auf groß angestiegen ist, sind einige Lawinen von selbst abgegangen. U.a. wurde uns auch von Lawinen mittlerer Größe im Arlberggebiet berichtet. Einige dieser Lawinen brachen aufgrund des bekannt störanfälligen Altschnees bis in tiefere Schichten.

Der rote Pfeil zeigt auf ein während des Schneefalls abgegangenes Schneebrett, der blaue Pfeil auf eine anschließend gelöste Lockerschneelawine; Schlick, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 15.01.2017)

Im Variantengebiet wurden während der vergangenen Tage einige Lawinen von Wintersportlern ausgelöst. Dabei war in Tirol viel Glück im Spiel, dass nicht mehr passiert ist.

Unterhalb der Hohen Salve in den Kitzbüheler Alpen lösten Variantenfahrer am 15.01. im kammnahen Gelände ein Schneebrett aus, von dem vier Personen mitgerissen, eine total verschüttet und zwei verletzt wurden. Die total verschüttete Person konnte von einem Lawinenhund nach etwa 30 minütiger Verschüttungszeit lebend geborgen werden (kein LVS-Gerät dabei…). Da es vor den Schneefällen ab dem 04.01. an der Unfallstelle aper war, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein frisches Triebschneeproblem handelte.

Der Kreis symbolisiert den Bereich des Lawinenabgangs unterhalb der Hohen Salve © tiris

Eine Gänsehaut bekam nicht nur der Autor dieses Blogs, als er am 15.01. in der Schlick zwei Skitourengeher (eine Person mit Skiern, eine mit Snowboard) im Aufstieg auf der Nordseite des Hohen Burgstalls sah. Es handelte sich dabei um einen der derzeit besonders gefährdeten Bereiche, wo wir ein massives Altschneeproblem haben.

Der Kreis zeigt die zwei Personen im sehr steilen, schattigen Gelände auf knapp 2500m im Aufstieg; Hoher Burgstall, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 15.01.2017)

Eine Detailaufnahme mit den zwei Personen: An dieser Stelle schnallten sie ihre Skier bzw. ihr Snowboard ab und stapften dann zu Fuß weiter Richtung Gipfel. (Foto: 15.01.2017)

Unmittelbar darauf lösten sie ein ca. 120m breites und 350m langes Schneebrett aus. Sie hatten enormes Glück, dass die Lawine unmittelbar bei ihnen brach, sodass nur eine Person wenige Meter mitgerissen wurde. In Folge gingen drei weitere Lawinen durch Fernauslösung ab. (Foto: 15.01.2017)

Die gesamte Dimension der Lawine nach deren Abgang. Der Kreis zeigt den Auslösebereich der Lawine. Man erkennt ebenso die weiteren, durch den Impuls dieser Lawine, ausgelösten Lawinen. Dies zeigt auch, dass die Schwachschichten – ähnlich wie vergangenen Winter – auch heuer wieder über große Distanzen zusammen hängen. Betroffen von diesem Altschneeproblem sind, wie schon mehrmals erwähnt, schattiges Gelände oberhalb etwa  1900m, W- und O-Hänge oberhalb etwa 2300m und S-Hänge oberhalb etwa 2600m.

Das Profil wurde unterhalb des Sennjochs östlich des oben beschriebenen Lawinenabgangs auf 2240m Seehöhe erstellt. Man erkennt eine markante Schwachschicht im Altschnee. Im Bereich der Lawinenauslösung dürften es mehrere Schichten gewesen sein.

Nun stellt sich die Wetterlage wieder um. Schönwetter ist angesagt. Vorläufig ist es noch kalt, jedoch gehen die Temperaturen langsam bergauf.


Da der Wind in der Höhe derzeit häufig noch über Verfrachtungsstärke liegt, wird der lockere, kalte Pulverschnee verfrachtet. Die dabei entstehenden Triebschneepakete sind kurzfristig sehr leicht zu stören, können jedoch mit Erfahrung gut erkannt werden.

Schneeverfrachtung auf den Bergen. Frischen Triebschnee meiden.

Im Waldgrenzbereich um etwa 1900m kann mancherorts eingeschneiter Oberflächenreif ein Problem darstellen. Ansonsten ist es unterhalb der Waldgrenze in windschwachen Gebieten meist recht sicher. Pulver pur ist dort angesagt!

Unterhalb der Waldgrenze wird es tendenziell sicherer, Hochimst (Foto: 15.01.2017)

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