Donnerstag, 16. März 2017

Lawinenunfall Jochgrubenkopf

Wir waren kurz nach dem Lawinenabgang am Unfallort und haben nun ein klares Bild über den Unfallhergang und die Unfallursache.
 
Eine 8-köpfige Schweizer Gruppe unter Leitung eines Schweizer Bergführers bestieg am 15.03. den 2450m hohen Jochgrubenkopf. Bei der Abfahrt löste die Gruppe eine Schneebrettlawine aus. Vier Personen wurden erfasst, mitgerissen und total verschüttet. Die Verschüttungstiefen betrugen zwischen 3 und 12 (!) m. Bei der Suche beteiligten sich 5 Hubschrauber, einige Lawinenhundeführer, Alpinpolizisten und zahlreiche Bergrettungsleute. Die vier Tourenteilnehmer konnten nur mehr tot aus den Schneemassen geborgen werden.
 
Die Lawine löste sich auf der Nordseite des Jochgrubenkopfes im Schmirntal (Zillertaler Alpen). Es handelt sich um sehr steiles bis extrem steiles Gelände (orange bzw. rot eingefärbt) © tiris
 
Die Lawine im Überblick: Rechteck: Gipfel des Jochgrubenkopfes; roter Pfeil: Abfahrts- und Aufstiegsbereich der Schweizer Gruppe; rote Ellipse: Auslösebereich der Lawine; roter Kreis: Fundstellen der Opfer; blauer Pfeil: Einfahrts- und Aufstiegsbereich eines einheimischen Skitourengehers, der kurz vor der Gruppe zweimal auf dem Gipfel war und dabei keine Lawine auslöste. (Foto: 15.03.2017) (Anmerkung vom 21.03.: Nach neuen Erkenntnissen befindet sich der eingezeichnete, damals vermutete Auslösebereich weiter unten im Hang)
 
Der oberste Anrissbereich im Überblick: Rechteck: Gipfel des Jochgrubenkopfes; roter Pfeil: Abfahrts- und Aufstiegsbereich der Schweizer Gruppe; rote Ellipse: Auslösebereich der Lawine; blauer Pfeil: Abfahrts- und Aufstiegsbereich des einheimischen Skitourengehers. (Foto: 15.03.2017)  (Anmerkung vom 21.03.: Nach neuen Erkenntnissen befindet sich der eingezeichnete, damals vermutete Auslösebereich weiter unten im Hang)
 
Blick vom Grat talwärts: roter Pfeil: Abfahrts- und Aufstiegsbereich; rote Ellipse: Auslösebereich. Die Lawine erreichte übrigens fast den Talboden. (Foto: 15.03.2017)
 
Der oberste Anrissbereich ist bis zu 40 Grad steil
 
Die Verschüttungsstellen. Am Bild wird vom Hubschrauber des Innenministeriums gerade eine Schneefräse herantransportiert, um die Grabarbeiten bei der 12m tief verschütteten Person zu beschleunigen. (Foto: 15.03.2017)
 
Blick von der 12m tiefen Verschüttungsstelle nach oben (Foto: 15.03.2017)
 
Als Unfallursache kommt das bekannte Altschneeproblem mit bodennahen Schwachschichten zum Tragen. Die Lawine wurde offensichtlich an einer schneearmen Stelle durch große Belastung ausgelöst. Unsere im Nahbereich der Lawine durchgeführten Stabilitätsuntersuchungen zeigten eine unterschiedlich ausgeprägte Störanfälligkeit bei jeweils guter Tendenz zur Bruchfortpflanzung. Dies ist typisch für den heurigen Winter und erklärt auch die Größe der Lawine.
 
Schneeprofil, das orographisch links der Auslösestelle der Lawine aufgenommen wurde. Die Schneehöhe ist dort eher unterdurchschnittlich. Man erkennt die grobkörnige, bodennahe Schwachschicht.
 
Das Schneeprofil zum obigen Bild.
 
Die Lawinengefahr wurde für den 15.03. oberhalb etwa 2200m als mäßig, darunter als gering beurteilt. Im Text stand u.a.: „Mögliche Gefahrenstellen für den Wintersportler findet man v.a. noch in sehr steilen, bisher wenig befahrenen Schattenhängen oberhalb etwa 2200m. An schneearmen Stellen können dort insbesondere durch große Belastung noch Schneebrettlawinen in bodennahen Schwachschichten ausgelöst werden. Lawinen können in Folge mittlere Größe erreichen und dadurch gefährlich groß für den Wintersportler werden.“
 
Diese Beschreibung trifft in allen Punkten auf die Situation am Jochgrubenkopf zu.
 
 

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