Donnerstag, 19. April 2018

Raschen tageszeitlichen Anstieg beachten!

Außergewöhnlich warme Temperaturen mit einer Nullgradgrenze, die gegen 4000m steigt, lassen die Lawinengefahr im Tagesverlauf rasch ansteigen. Wir rechnen neuerlich mit lawinenaktiven Tagen. Eine gute Zeiteinteilung und Tourenplanung sind wichtiger denn je.

Die vergangenen Tage beobachtete man vermehrt Schneebrettlawinen im N-, W- und O-Sektor:
Nord: zwischen 1900m und 2300m (Schwachschicht vom 04.01.); in Osttirol durch weit hinauf reichenden Regen bis etwa 2700m hinauf (Schwachschicht von Kältephase Anfang März)
West und Ost: oberhalb etwa 2500m (Schwachschicht durch gm.4 von Mitte Februar und März).

Massiver Wassereintrag führt zu einer fortschreitenden Schwächung der Schneedecke.

Fotos zur Situation folgen.

Montag, 16. April 2018

Regen und warme Witterung schwächen die Schneedecke nun auch zunehmend in Schattenhängen – erhöhte Lawinenaktivität!

Während der vergangenen Tage häufte sich Regen. Am meisten davon fiel in Osttirol bzw. in der Region Südliches Osttirol. Die Regengrenze reichte dort am 12.04. und 13.04. bis maximal 2400m, vom 15.04. auf den 16.04. gebietsweise sogar bis zu 2800m hinauf. In Nordtirol regnete es mit Ausnahme der Grenzbereiche entlang des Alpenhauptkammes nur vom 15.04. auf den 16.04. mit geringerer Intensität. Die Regengrenze schwankte dabei zwischen etwa 2200m und 2600m.

Niederschlagsverteilung in [mm] vom 15.04. auf den 16.04. für Tirol

Niederschlag und Temperatur in der niederschlagsreichsten Region, dem Südlichen Osttirol

Die Kombination aus Regen, warmen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit, diffuser Strahlung und dem auf der Schneeoberfläche häufig abgelagerten Saharastaub führen dazu, dass die Schneedecke nun auch in Schattenhängen immer weiter hinauf durchfeuchtet wird.

Schwülwarmes Wetter fördert die Durchfeuchtung der Schneedecke. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 13.04.2018)

Am Foto erkennt man den Farbunterschied zwischen hellerer Piste (im Vordergrund) bzw. Lawinengleitflächen der Lockerschneelawinen (im Hintergrund) und der durch Saharastaub gefärbten Schneeoberfläche. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 13.04.2018)

Während man bis vor wenigen Tagen in Schattenhängen oberhalb von etwa 2200m eine durchwegs noch trockene Schneedecke vorfinden konnte, hat sich dies inzwischen geändert. Die kürzlich dort noch vorhandenen (allerdings geringen) Temperaturreserven werden zunehmend (bzw. wurden bereits) aufgebraucht.

Man beachte den roten Temperaturverlauf. Auf 2380m im 35 Grad steilen, N-exponierten Gelände gab es unterhalb der Mute in den Nördlichen Stubaier Alpen am 13.04. noch leichte Temperaturreserven, während…

… auf 2890m, in derselben Region in ähnlich steilem Gelände, allerdings SO-exponiert die Schneedecke schon länger isotherm (überall 0 Grad Celsius) ist.

Ähnlich, wie wir es seit Beginn des Monats in besonnten Hängen beobachten konnten, steigt somit in Schattenhängen nun auch die spontane Lawinenaktivität, die in Osttirol derzeit (16.04.) am meisten ausgeprägt ist. Neuesten Informationen zufolge betrifft es Schattenhänge in Höhenbereichen zwischen etwa 2200m und 2700m. Neben Schneebrettlawinen treten gehäuft auch nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände auf. Beide Lawinenarten können wegen der überdurchschnittlichen Schneehöhen und des in der Sturzbahn mitgerissenen nassen Schnees durchaus groß werden.

Lawinenabgang vom 16.04. aus schattigem Gelände bei Hinterbichl im Virgental. Man befürchtete kurzfristig, dass die Lawine die Isel aufstauen würde, was nicht der Fall war.

Beginnende Lawinenaktivität in Schattenhängen im Sellrain in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 16.04.2018)

Sonst noch rasch berichtenswert:

Bei der Abfahrt vom Hinteren Brochkogel in den Südlichen Ötztaler Alpen löste ein Skitourengeher am 14.04. im kammnahen, extrem steilen Gelände ein Schneebrett aus. Die Person wurde in einem Bergschrund verschüttet, blieb jedoch unverletzt.

Lawinenabgang Hinterer Brochkogel (Nahbereich der Wildspitze) vom 14.04.2018

Vermehrte Lawinenaktivität in Osttirol bereits ab dem 12.04. in Form von Lockerschnee-, Schneebrett- und Gleitschneelawinen.

Lockerschneelawinen im Defereggental (Foto: 14.04.2018)

Schneebrettlawine im Nahbereich des Höhen Bösring im Südlichen Osttirol (Foto: 14.04.2018)

Lawinenablagerung einer Gleitschneelawine bei der Zufahrt ins Defereggental (Foto: 14.04.2018)

Während des Frühjahrs kann sich die Lawinensituation innerhalb sehr kurzer Zeit rasch zum Positiven, wie zum Negativen ändern. Am 14.04. in der Früh fand man nach einer sternenklaren Nacht in weiten Teilen Tirols überwiegend günstige Verhältnisse vor. Wintersportler konnten bei guter Zeiteinteilung vielerorts perfekten Firn genießen. Am 15.04. war die Ausstrahlung bereits durch Wolkenaufzug während der Nachtstunden vermindert, das Zeitfenster für gute Verhältnisse wurde kürzer. Heute am 16.04. gab es keine nächtliche Abstrahlung mehr. Ganz im Gegenteil: Regen begann die Schneedecke zunehmend zu schwächen.

Wetterstationsgrafik Serfaus. Wichtig im Frühjahr (wieder einmal) der Verlauf der Schneeoberflächentemperatur. Derzeit am 16.04. ist die Schneeoberfläche nass, am 14.04. war diese in der Früh bei -10 Grad hart gefroren.

Ab morgen, dem 17.04. beginnen sich das Wetter und auch die Lawinensituation wieder zu bessern. Die Luft wird laut ZAMG-Wetterdienststelle trockener. Wir erwarten sonnige, frühlinghaft warme Tage mit einer kräftigen Tageserwärmung. Die Schneedecke wird sich während sternenklarer Nächte zumindest in höheren Lagen gut auskühlen können.
Somit haben wir zumindest in größeren Höhen zunehmend gute Voraussetzungen für Firnverhältnisse. Wichtig: Früh aufbrechen und rechtzeitig auf der Hütte bzw. beim Ausgangspunkt sein. Die Gefahr von Gleitschneelawinen auch während der Morgenstunden beachten!

Donnerstag, 12. April 2018

Gleitschneelawinen sind unberechenbar - kurzer Ausblick auf das Wochenende…

Schneereiche Winter sind Gleitschneelawinen-Winter. Dies bestätigt sich heuer wieder in eindrucksvoller Weise.

Gleitschneelawinen sind eine komplett eigenständig zu betrachtende Lawinenart, bei der die gesamte Schneedecke am Boden abgleitet. Dies kann immer dann der Fall sein, wenn das Gelände steil genug, der Schnee in sich gebunden, der Boden relativ glatt und die Schneedecke am Boden feucht ist. Bevorzugt tritt dieses Problem deshalb auf glatten Wiesenhängen oder Felsplatten auf.

Seit Beginn dieses Monats haben wir gerade wieder einen sehr ausgeprägten Gleitschneelawinen-Zyklus. Gefördert wird dieser durch das warme Wetter und den dadurch bedingten Schmelzprozessen. Wasser dringt bis zum Boden vor und vermindert dort die Reibung. Gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Gleitschneelawinen.

Blick von der Webkamera in Richtung Damüls (Foto: 04.04.2018)

Blick von der Webkamera in Richtung Damüls (Foto: 07.04.2018)

Blick von der Webkamera in Richtung Damüls (Foto: 12.04.2018)

Gleitschneelawinen sind vom Abgangszeitpunkt völlig unberechenbar. Sie können während jeder Tages- und Nachtzeit, sowohl am wärmsten Tag, als auch am kältesten Tag des Winters abgehen. Letzteres lässt sich dadurch erklären, dass Schnee gut isoliert und die Schneedecke deshalb am Boden trotz sehr tiefer Außentemperaturen (bei entsprechend mächtiger Schneedecke) feucht sein kann.

Gleitschneelawinen können deshalb natürlich auch dann abgehen, wenn sich an der Schneeoberfläche ein tragfähiger Harschdeckel gebildet hat.

Gleitschneelawine, die kurz nach 05:00 Uhr morgens am 11.04. in den Nördlichen Stubaier Alpen abgegangen ist. (Die Schneeoberfläche bestand aus einem tragfähigen Harschdeckel.)

Gleitschneelawinen sind eine enorme Herausforderung für Sicherungspflichtige, dies auch deshalb weil sich  diese Lawinenart nicht durch künstliche Hilfsmittel (wie Sprengungen) auslösen lassen. Bei Schneebrettlawinen hingegen findet man Schwachschichten innerhalb der Schneedecke. Zusatzbelastung kann dort zu Brüchen innerhalb dieser Schwachschichten und folglich zu künstlich ausgelösten Lawinenabgängen führen.

Große Gleitschneelawinen, die ins Steißbachtal abgegangen sind. Das Steißbachtal bildet normalerweise eine Hauptabfahrtsroute in Richtung St. Anton am Arlberg. Die Route wurde seitens der örtlichen Lawinenkommission praktisch den gesamten Winter über wegen der permanenten Gefahr von Gleitschneelawinen gesperrt. (Foto: 11.04.2018)

Was erwartet uns für das Wochenende?

Entscheidend sind einerseits die Niederschläge im Süden.

Am 12.04. regnete bzw. schneite es bereits am und südlich des Alpenhauptkammes mit Schwerpunkt im Bereich Timmelsjoch.

Andererseits wird es von Tag zu Tag wärmer.



Die Nacht vom 12.04. auf den 13.04. wird im ganzen Land bedeckt sein. D.h. die Schneedecke kann sich nicht auskühlen. Schon von der Früh weg wird die Schneeoberfläche bis in relativ große Höhen feucht sein, wir erwarten dementsprechend ungünstige Bedingungen.
Am kommenden Wochenende und darüber hinaus bleiben die Verhältnisse hauptsächlich vom Bewölkungsgrad in der Nacht abhängig. Nach einer weitgehend wolkenlosen Nacht spielt eine gute Zeiteinteilung mit frühem Start und früher Rückkehr derzeit die größte Rolle. Wobei das günstige Zeitfenster am frühen Vormittag mit der prognostizierten Erwärmung immer kleiner werden wird. Nach einer weitgehend bewölkten Nacht werden die Verhältnisse bereits morgens ungünstig sein.

Die spontane Aktivität von nassen Lockerschneelawinen wird sich zudem langsam in größere Höhen verlagern. Schneebrettlawinen sind weiterhin am ehesten in sehr steilen Hängen oberhalb von 2500m in der Exposition von W über S bis O denkbar.

Ansonsten gilt es auch die Absturzgefahr auf einer harten Schneeoberfläche zu beachten.


Montag, 9. April 2018

Ein lawinenreiches Wochenende liegt hinter uns – Gleitschneelawinen bilden derzeit die Hauptgefahr


Aktuelles...

Seit heute, den 09.04., dämpft hohe Bewölkung samt Saharastaub den Sonnenschein deutlicher, als während der Morgenstunden von uns angenommen wurde. Dadurch ist der Wärmeeintrag in die Schneedecke im Vergleich zu den vergangenen, sehr sonnigen Tagen geringer. Die spontane Lawinenaktivität beschränkt sich deshalb vorerst auf Gleitschneelawinen, welche unberechenbar bleiben.

Der Wolkenaufzug bewirkt aber auch eine schlechtere Abkühlung während der Nachtstunden. Die Schneedecke wird dadurch für den Wintersportler allgemein störanfälliger. Ebenso leidet darunter die Schneequalität, insbesondere unter 2500m. Regen in Osttirol bis etwa 2000m bewirkt Ähnliches.

Wolkenaufzug im ganzen Land. Blick von der Zugspitze Richtung Süden (Foto: 09.04.2018)

Verteilung des Saharastaubes mit erwartetem Maximum für den 12.04. © ZAMG

Rückblick auf das Wochenende…

Das Wochenende ab Freitag, den 06.04., stand unter klassischem Frühjahrseinfluss mit einem deutlichen Anstieg der Lawinengefahr während des Tages. Es lösten sich zahlreiche spontane Lawinen. Ebenso waren Wintersportler bei Lawinenereignissen involviert. Einige Personen wurden verletzt, zumindest eine davon schwer.

Bei den Lawinen handelte es sich in den allermeisten Fällen um Gleitschneelawinen und nasse Lockerschneelawinen. Schneebrettlawinen (Bruch innerhalb einer Schwachschicht in der Schneedecke) waren hingegen vergleichsweise selten anzutreffen, was auf den in Summe recht stabilen Schneedeckenaufbau dieses Winters zurückzuführen ist.

Markant ist der Absturz der Luftfeuchtigkeit am 06.04.. Die am Vortag noch durchnässte Schneedecke kühlte während der Nacht an deren Oberfläche gut aus, wurde während des Tages jedoch wieder feucht. Die Amplitude der Oberflächentemperatur verringerte sich ab dann von Tag zu Tag. Das heißt, die Zeitspanne für gute Verhältnisse während der Morgenstunden wurde immer kürzer.

Die Leitstelle Tirol meldete am 07.04 und 08.04. in Summe 14 Lawinenereignisse mit möglicher Personenbeteiligung, bei mindestens vier davon war dies definitiv der Fall.

Bei der Abfahrt von der Leutascher Dreitorspitze in den Westlichen Nordalpen wurde am 07.04. eine Person um etwa 13:30 Uhr von einer spontanen Lawine auf einer Seehöhe von etwa 1700m erfasst und ca. 200m mitgerissen. Die Person war teilverschüttet und zog sich schwere Verletzungen zu.

Ebenso am 07.04. löste eine im Abstieg befindliche Schneeschuhgeherin gegen 13:40 Uhr unterhalb der Hanauer Hütte auf einer Seehöhe von etwa 1800m eine Nassschneelawine aus. Sie wurde 200m mitgerissen, teilverschüttet und verletzt. (Anmerkung vom 11.04.: Weitere Recherchen ergaben, dass die Person von einer spontanen Gleitschneelawine während einer Querung knapp oberhalb der Hanauer Hütte erfasst und mitgerissen wurde.)

Unterhalb der Alplespleisspitze erfasste am 08.04. um ca. 09:50 Uhr eine spontane Gleitschneelawine zwei Personen, als sie sich gerade für die Abfahrt bereit machen wollten. Eine der Personen wurde nicht verschüttet und blieb unverletzt, die andere erlitt Verletzungen. Die Gleitschneelawine löste sich laut Augenzeugenberichten in einer Höhe von ca. 2350m im ca. 35 Grad steilen Gelände, ohne, dass sich zuvor Risse aufgetan hätten. Die Schneedecke war zum Zeitpunkt des Abgangs noch gut tragfähig.

Lawinenabgang Alplespleisspitze. Gleitschneelawine mit einer geschätzten Anrisshöhe von 3m. (Foto: 08.04.2018)

Lawinenabgang Alplespleisspitze während der Rettungsaktion (Foto: 08.04.2018)

Ebenso am 08.04. löste sich aufgrund der Zusatzbelastung eines Wintersportlers bei der Gefrorenen Wand in den Zillertaler Alpen auf 3250m eine Wechte. Diese verursachte in Folge einen Lawinenabgang. Die anfangs mit der Wechte abgestürzte Person wurde von der Lawine mitgerissen und blieb auf einer Seehöhe von 3050m liegen. Sie erlitt unserem Informationsstand zufolge keine Verletzungen.

Lawinenabgang aufgrund eines Wechtenbruchs unterhalb der Gefrorenen Wand in den Zillertaler Alpen. Der Kreis zeigt den Bereich des Wechtenbruchs, der Pfeil den Endpunkt des Wintersportlers. (Foto: 08.04.2018)

Beim Kreis erkennt man eine Wechte knapp unterhalb des Gipfels der Kraspesspitze in den Nördlichen Stubaier Alpen unmittelbar vor dessen Bruch -> sh. folgendes Bild… (Foto: 07.04.2018)

Die Wechte unmittelbar nach dem Bruch samt Lawinenabgang -> vgl. voriges Bild… (Foto: 07.04.2018)

Weitere mögliche Impulse für Lawinenauslösungen gibt es u.a. in Form von Eissäulen. Wenige Stunden nach dem Foto löste einer dieser Eissäulen eine Nassschneelawine aus. Silvretta. (Foto: 05.04.2018)

Es folgt eine Auswahl weiterer bezeichnender Fotos der vergangenen Tage:

Typisch für die vergangenen Tage, ein Mix aus Lockerschnee- und Gleitschneelawinen. Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 08.04.2018)

Gleitschneelawinen…

Hohe Gleitschneeaktivität in der Region Arlberg-Außerfern. Aufgrund der großen Schneemengen konnten Gleitschneelawinen groß werden. (Foto: 08.04.2018)

 
Gleitschneelawine Steißbachtal im Arlberggebiet. Die Lawine überspülte aufgeschobene Schneedämme (Foto: 08.04.2018)

Ablagerung einer Gleitschneelawine auf einer gesperrten Straße im Virgental (Foto: 07.04.2018)

Wirksamer Schutz gegen Gleitschneelawinen einzig durch Verbauung bzw. dichte Aufforstungen. Defereggental (Foto: 07.04.2018)

Lockerschneelawinen…

Nasse Lockerschneelawinen aus felsdurchsetztem Gelände in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 08.04.2018)

Nasse Lockerschneelawine in den Osttiroler Tauern (Foto: 08.04.2018)

Schneebrettlawinen…

 
Schneebrettlawine SW, 2600m am Weg zum Zwieselbacher Rosskogel in den Nördlichen Stubaier Alpen. Abgang vermutlich am 07.04. (Foto: 08.04.2018)

Spontane Schneebrettlawine hinter dem Alpengasthaus Lüsens im Sellraintal löste eine Suchaktion aus. Anriss: 2000m, Ost. Staunässe auf einer harten Kruste als möglicher Auslösefaktor (Foto: 07.04.2018)

Oberflächennahe Schneebrettlawinen im Nordsektor kurzfristig störanfällig auf eingeschneitem Graupel vom 05.04. Langschneid Nord, Defereggental (Foto: 07.04.2018)

Sonstiges…

Bei warmem Wetter und viel Sonnenschein tummelten sich zahlreiche Wintersportler auf den Bergen…

Viel los am Schrankogel in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 07.04.2018)

Wer früh unterwegs war, hatte weniger Stress mit Lawinen und zudem oftmals perfekten Firn. (Foto: 08.04.2018)


Zum Teil sehr gute Sprengerfolge, wie hier im Rettenbachtal in den Ötztaler Alpen (Foto: 08.04.2018)


Lawinen drangen teilweise bis ins Grüne vor (Foto: 08.04.2018)

Freitag, 6. April 2018

Zunehmend klassische Frühjahrsverhältnisse mit einem tageszeitlichen Anstieg der Gefahr – vermehrte Gleitschneeaktivität

Kurz vorab: Während der vergangenen Tage lösten sich viele Lawinen. Bis morgen am 06.04. in der Früh ist es etwas kühler. Dann wird das Wetter bei wiederum steigenden Temperaturen stabiler. Es stellen sich zunehmend klassische Frühjahrsverhältnisse ein. Eine gute Zeiteinteilung spielt bei der Tourenplanung somit eine immer wichtigere Rolle!

Die vergangenen Tage waren wechselhaft und warm. Die Schneedecke wurde dadurch von Tag zu Tag feuchter und verlor an Festigkeit. Entsprechend hoch war auch die Lawinenaktivität. Besonders aufgefallen sind die zahlreichen Gleitschneelawinen im ganzen Land. Der vermehrte Wassereintrag bis zum Boden verringert die Reibung und erhöht deren Abgangsbereitschaft.

Gleitschneelawinen im Außerfern (Foto: 04.04.2018)

Gleitschneelawinen in den Nordalpen (Foto: 05.04.2018)

Gleitschneelawinen in Osttirol (Foto: 04.04.2018)

Sehr häufig beobachtete man auch nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände. Meist rissen sie in der Sturzbahn die völlig durchnässte Schneedecke mit, zum Teil lösten diese in Folge auch Schneebrettlawinen aus.

Eine Mischung aus spontanen und künstlich ausgelösten Lawinen in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 03.04.2018)

Begünstigt durch diffuse Strahlung und warme Temperaturen lösten sich am Nachmittag nasse Lockerschneelawinen, Südliche Stubaier Alpen (Foto: 03.04.2018)

Schneebrettlawinen gingen vermehrt im kammnahen Gelände ab. Meist betraf es den durch den starken bis stürmischen Wind abgelagerten, frischen Triebschnee.

Viel Wind auf den Bergen. Hier unterwegs in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 02.04.2018)

Speziell am Osterwochenende wurden einige solcher Schneebrettlawinen von Wintersportlern ausgelöst. Unseres Wissen kamen keine Personen zu Schaden.

Weitkarspitze in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 02.04.2018)

Schalfkogel in den Südlichen Ötztaler Alpen. 1 Person kam vor dem Felsabbruch zu liegen, eine zweite Person konnte ausfahren. (Foto: 02.04.2018)

Unterwegs in einem steilen, mit Triebschnee gefüllten Hang in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 02.04.2018)

Die größten Schneebrettlawinen lösten sich übrigens – nicht ganz unerwartet – in den besonders neuschneereichen Gebieten entlang des Alpenhauptkammes, so z.B. dem nordwestlichen Osttirol.


Bei entsprechender Tourenwahl und guter Zeiteinteilung konnte man dennoch gut auf Tour unterwegs sein. Zum Teil wurde man sogar mit Pulverschnee (oberhalb etwa 2300m) belohnt.

Immer wichtiger bei der Tourenplanung: Gute Zeiteinteilung (Foto: 02.04.2018)

Entscheidend für die kommende Zeit ist immer auch die nächtliche Ausstrahlung der Schneedecke. Je klarer die Nacht, je trockener die Luft und je niedriger die Temperatur, desto günstiger sind die Verhältnisse am Morgen. Umgekehrt: Nach einer bedeckten Nacht bei warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit sind die Verhältnisse dort, wo die Schneedecke vom Vortag feucht war, meist ungünstig. Was für die Tourenplanung zurzeit mitunter hilfreich ist, sind Bilder von Webkameras. Dort sieht man u.a. auch die Wolkenbedeckung während der Nachtstunden, wie z.B. www.foto-webcam.eu.

Ansonsten hilft auch ein Blick auf unsere Wetterstationen: Besonders hilfreich ist derzeit u.a. die Schneeoberflächentemperatur